Wintervorbereitungen für 2011/12
Praktische Tipps von Rosenexperte Heiko Hübscher, Zweibrücken
Alte Probleme und neue Schätze
Was für ein Herbst. Ende September über 20 Grad Celsius und tolle Sonne. Der dritte Flor kam ohne Probleme. Dies war die nötige Entschädigung für den bescheidenen Sommer. Der zweite Flor lief so toll an und dann die kalten, regnerischen Tage im August. Wir konnten nicht schnell genug die verklebten Blüten ausschneiden. Diese Sonnenwochen versöhnen mich aber mit der Wetterküche. Was besonders ins Auge fällt: Einige Rambler blühen noch einmal. ´Direktor Benschop`, ´White Flight` und ´Mrs. F.W. Flight` ganz besonders.
Doch unaufhaltsam naht der Winter. Die ersten Zugvögel zogen schon in langen V-Formationen über uns hinweg. Überall fangen die Rosenfreunde an, um ihre Lieben zu bangen. Die letzten beiden Winter waren nicht gerade gnädig zur Königin des Sommers. Auch in Regionen, in denen es üblicherweise keinen Schnee gibt, lag für Wochen eine weiße Decke über dem Land und forderten Kahlfröste danach ihren Tribut. Wie können Sie sich diesmal besser vorbereiten? Rechnen Sie einfach mit dem allem: Schnee, Eis, extreme Tieftemperaturen und Stürme.
Im Beet: Häufeln Sie, wenn es der Boden verträgt, mit Kompost an. Im folgenden Frühjahr als Bodenverbesserer zu verwenden. Ist der Boden schon relativ humos, ist Fichtenreisig eine Alternative. Die Rosen werden vor der Abdeckung grob zurückgeschnitten und dann wird eine dicke Lage Fichtenreisig auf die Rosen gedeckt. So sind sie vor Wind und Sonne geschützt. In älteren Rosenbeständen kann man auch ruhig frische Ackererde zum Anhäufeln verwenden. Durch Jäten und sonstige Bodenbewegung kommt es über Jahre doch zu einem Erdverlust im Beet. Dieser kann durch „externe“ Erde ausgeglichen werden. Graben Sie aber mal etwas nach. Die Veredlungsstelle sollte danach nicht tiefer als fünf bis sieben Zentimeter liegen!
Fichtenreisig bietet sich als Winterschutz an,
nicht nur für Neupflanzungen.
Strauchrosen können Sie außerdem zusammenbinden und mit einem dicken Pfahl fixieren, bevor Sie Fichtenreisig als Windschutz darum aufbauen. Sehr hoch überragende Triebe sollten auch bei den Strauchrosen leicht eingekürzt werden. Dadurch verhindern Sie einen Windbruch. Verwechseln Sie diesen Schnitt nicht mit dem Frühjahrschnitt. Nur ein wenig die Spitzen schneiden.
Kletterrosen: Diese Problemkinder wollen in ungünstigen Lagen besonders versorgt werden. Ein Mantel aus Schilfrohrmatte oder Fichtenreisig hält die ärgsten Wetter ab.

Perfekt mit Fichtenreisig verpackte Kletterrose

Stammrosen schützt man am besten mit einem Mantel aus 85 g schwerem Flies
Die Hochstämme werden wir, wie die letzten Jahre, in ein 85 Gramm schweres Flies verpacken. Zuvor muss jedoch das letzte Laub entfernt werden. Wir wollen keine Pilzbrutstätte bauen.
Rosen in Kübeln fahren wir in den Vollschatten eines Gebäudes oder unsere ungeheizte Maschinenhalle. Dort können sie dunkel und windgeschützt die kalte Zeit überdauern. Die Töpfe im Freien schützen wir mit einer dämmenden Verpackung.
Bevor der Winter aber zuschlägt, werden wir im Rosengarten noch eine letzte Pilzbekämpfung durchführen. Wir arbeiten zu 50 % mit biologischen Mittel wie Vitanal. Diese letzte Spritzung werden wir aber mit einem Fungizid ausführen, um besonders pilzanfällige Rosen noch einmal zu entlasten. Zuvor wird das ganze gefallene/befallene Laub aus der Pflanzung entfernt. So hoffen wir im Frühjahr, den Befallsdruck auf diese schwierigen Rosen zu vermindern.
Auf eine herbstliche Kaligabe verzichten wir seit Jahren. Eine erhöhte Frostanfälligkeit konnten wir nicht feststellen. Wir achten auf eine ganzjährige Kaliversorgung im Rahmen einer ausgewogenen Düngung. Unsere zweite Düngung bringen wir möglichst früh aus, zwischen Mitte und Ende Juni. So sind die wuchsfördernden Nährstoffe garantiert bis im September verbraucht und die Rose kann in Ruhe ausreifen. Zu diesem Zeitpunkt, Ende September, können auch gerne Blüten zum Hagebuttenansatz stehen bleiben. So wird der natürliche Jahresabschluss zusätzlich gefördert. Dies ist aber ein Streitpunkt auf jedem Rosenstammtisch. Wenn Sie darauf vertrauen, geben Sie Ihr Kali.
Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht
Heiko Hübscher