Einleitung
Am 6. Juli fuhren 49 Rosenfreunde voller Erwartung nach Irland. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt in Dublin hatten wir zwei Stunden Zeit, um uns einen ersten Eindruck von dieser Stadt zu machen. Die Lebendigkeit, die vielen Menschen auf den Straßen, wohl überwiegend Studenten und Touristen, überraschte. Aber auch die vielen Läden mit den typischen irischen Wollsachen verführten zum Kauf. Wolle ist hier bei jedem Wetter gut.
Vom Bus aus sahen wir die Statuen der irischen Kultfiguren: James Joyce, Molly Malone, die Muschelverkäuferin und Oscar Wilde. Dann fuhren wir auch schon zur Besichtigung des ersten Gartens.
Dillon-Garten im Vorort Renalag
Das Haus, in dem Dillons wohnen, gehört zum so genannten Georgian-Style. Dieser Stil kam aus England nach 1762. Es sind elegante Stadthäuser, als geschlossene Baufluchten gebaut. Rein äußerlich sehen sie sehr bescheiden aus. Das einzige Auffallende sind die eleganten Türen. Die äußere Schlichtheit kennzeichnet den Georgian-Style – understatement.
Innen sind sie in der „Bel Etage“ sehr elegant. Auf der Gartenseite gibt es drei Räume: Esszimmer, Empfangsraum in der Mitte und eine Bibliothek. Der Eingang ist eher bescheiden. Doch wenn man das Empfangszimmer betritt, sieht man axial den Garten, den man bei einem Stadthaus nicht erwarten würde: eine Steigerung in der Fortsetzung der Räume in den Garten. Die Dillons hatten das Haus 1990 gekauft und fingen gleich an, den Garten anzulegen.
Helen Dillon, die leider abwesend war, ist Journalistin und Gartenschriftstellerin. Sie gestaltete den Garten so, wie sie ihn für ihre Kolumnen oder Fernsehbeiträge benötigt.
Zunächst hatte der Garten in der Achse nur eine Rasenfläche, die nicht sehr spannungsreich war. Vor fünf Jahren baute sie die großzügige Wasserachse. Auf beiden Seiten pflanzte sie verschiedenartige Farbkombinationen: links rote und orange Töne, rechts Variationen in blau.
Wer ein sehr sensibles Farbempfinden hat, mag sich daran stören. Doch für den Zweck eines Lehrbeispiels ist diese Kombination überzeugend.
Wir kannten viele Pflanzen, doch es gab so viele Exoten, dass der Hausherr sehr gefordert wurde. Besonders beeindruckend war der Myrtenbaum am Haus, der kalifornische Mohn (Romneya coulteri „white cloud“), Rodgersia pinnata „superba“, Dierama pulcherrimum – Angelrute der Engel, viele Gräser und eine Reihe von Pflanzen, die man noch nie gesehen hatte, da sie bei uns winterhart nicht sind.
Natürlich gab es auch Rosen, aber zurückhaltend. Sehr bald hatte jeder seine Lieblingspflanze gefunden. Die besonders kräftige Farbe der Agapanthus fand viel Begeisterung. Für den Einstieg der Gartenreise war dieser Garten sehr beeindruckend.
Irlandreise
1. Tag
Bernd Weigel
2. Tag
Hanne Stauch
Der zweite Tag bot uns 4 großartige Überraschungen.
Im „Corke-Loge“ Garten erwartete uns der Besitzer Architekt Alfred neben seinem Haus, das von außen sehr verschlossen wirkte. Durch eine winzige Gartenpforte betraten wir einen formalen, mit Buchspflanzungen gestalteten Gartenraum, der axial von der Giebelseite des Hauses rechtwinklig zu einem Steintor führte, das verschlossen war und keinen Aus– und Durchblick gewährte. Die außergewöhnlich knorrige Korkeiche rechts von dieser ersten Achse hat dem Garten seinen Namen gegeben. Vom Endpunkt dieser Achse führte ein Weg nach rechts durch alte Baum- und Gehölzpflanzungen, deren feuchtes Blattwerk in der Sonne glitzerte, zu einer zweiten Gartenachse, die von der Längsseite des Hauses auf ein etwas erhöhten Horizont zulief. Die wertvollen Steine eines alten Tudor-Hauses waren als Ruinen aufgemauert und gaben diesem Gartenteil eine interessante persönliche Note. Mit einer gekonnten Bepflanzung mit Rosen, Stauden und Gehölzen wurde hier eine großartige Kulisse eines postmodernen Theaters inszeniert. Ein Blick in das Innere des Hauses bestätigte den erlesenen Geschmack des Besitzers.
Unser zweites großes Garten-Abenteuer erlebten wir in Mount-Asher Park, einem riesigen Park im englischen Landschaftsstil, durch den sich das silberne Band des Vartry River zieht. Die Söhne des Besitzers konstruierten interessante Hängebrükken, die beide Ufer miteinander verbinden. Das herabstürzende Wasser wird durch Wehre und Staustufen verlangsamt und ermöglichen dadurch Ruhezonen und individuelle Wasserlandschaften. Die Besitzer müssen große Pflanzenexperten gewesen sein. 3.000 verschiedene Pflanzen, davon allein eine Sammlung von 60 verschiedenen Eukalyptusbäumen, machen den Garten zur Fundgrube von Sammlern und Liebhabern. Ein brillantes Farbenspiel durch die sich im Wasser spiegelnden riesigen Gunnera und der blauen Hortensien lockte uns Begeisterungsrufe hervor.
Mehrere Gartenräume, wie der Küchengarten, die Blumenrabatte, der Rosengarten, der Wassergarten, das riesige Arboretum, der kleine Tierfriedhof, in dem die Vierbeiner-Lieblinge der Familie seit Generationen eine Ruhestätte fanden: All das gibt diesem Garten viel Spannung und eine große Liebenswürdigkeit. Hier wirkt nichts inszeniert, ein naturnaher Garten, der durch große Sachkenntnis gestaltet wurde.
Völlig anders erlebten wir am Nachmittag St. Annes’s Rosengarten. Die in Beete geordneten Rosen gaben der Anlage etwas Steriles und ließen die Romantik eines Rosengartens vermissen. Ganz besonders hatte es uns unter anderem die außerordentliche Wüchsig- und Blühwilligkeit von Rexy-Sexy angetan. Recht reizvoll empfanden wir die von der Ballerina gesäumten Ruhebänke. In dem etwas abseits gelegenen Rosengarten-Wall staunten wir über die Pergola, die von der Kletterrose „Kiftsgate“ völlig erobert worden war.
Unser Reiseleiter hatte auf der Rückfahrt zu unserem Hotel in Dublin noch einen Abstecher der besonderen Art für uns parat. Er führte uns in die Nationale Kathedrale und Stiftskirche St. Patrick. Erstaunt stellten wir fest, dass der Eintritt in eine Kirche Geld kostet und in einem Einkaufshop in der Kirche Waren zum Verkauf angeboten wurden. Trotzdem empfanden wir die Führung durch den stillen Raum der Kirche als besonderes Erlebnis. Es bedeutete für uns ein Garten völlig anderer Art, ein Garten der Besinnung. Ein erlebnisreicher Tag war damit zu Ende.



