Pflegehinweise

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Praktische Tipps von Rosenexperte Heiko Hübscher, Zweibrücken


Der Rosengarten im Herbst

Liebe Rosenfreundinnen
und Rosenfreunde,

dies schreibe ich im Juli bei über 30 Grad Celsius. Die erste Blüte nähert sich dem Ende und ich befasse mich mit der Rose im Herbst.

Zunächst möchte ich einige Probleme aufgreifen, die diesen Sommer vermehrt auftraten. Zum einen die Rosenblattwespe. Sie hat diesen Sommer mächtig zugeschlagen. Das Schadbild kann zunächst erschrecken. Durch den Einsatz eines systemischen Insektizides kann der Plage jedoch begegnet werden.

Zum anderen die Blattrollwespe. Diese können Sie nur durch frühzeitiges Auszupfen der befallenen Blätter bekämpfen.

Die Blüten wollten sich ja dieses Jahr zuerst nicht bilden, da es zu kalt war und nun sind sie geradezu weggebrannt. Besonders bei den roten Rosen zeigten sich sehr unschöne Verbrennungen Sie benötigen wohl in Zukunft einen über Mittag schattigen Platz. Die immer noch sehr beliebten stark gefüllten, nostalgischen Blüten hatten wieder ihre Probleme mit den Gewitterregen und verwandelten sich viel zu oft in blassbraune „Pfannkuchenhaufen“. Uns wird oft die Frage gestellt, was man dagegen tun könnte, in der Annahme einen Pflegefehler begangen zu haben. Leider können wir dann nur empfehlen die Mumien zu entfernen und das nächste Mal eine weniger gefüllte Rose zu kaufen.
Um die Knospenbildung bis zum Herbst weiter anzuregen, sollten Sie die verblühten Rosen möglichst früh entfernen. Wenn es einmal September ist, darf dieser Schnitt aber nur die Blüte selbst treffen, um keine all zu starke Holzbildung mehr anzuregen. Lassen Sie Ihre Rose zur Ruhe und Reife kommen. Ob Sie nun Kali (Kalimagnesia, Patentkali) ausbringen oder nicht bleibt Ihnen überlassen. Es gibt Stimmen dafür und dagegen. Geschrieben wurde seit Jahrzehnten viel, bewiesen ist nichts. Wir werden dieses Jahr darauf verzichten. Wenn Sie in extremen Winterlagen einen Rosengarten Ihr Eigen nennen, dann kann ich Ihnen nur mit Sicherheit sagen, dass Anhäufeln, Abdecken oder Einpacken Ihre vernünftig ernährten Rosen schützt, egal wie der Winter ausfällt.

Vor dem technischen Winterschutz kommt aber noch das für mich, neben der Rosenblüte, Schönste im Jahr: Neue Rosen aussuchen!

Alles was krabbelt

Die frischen Rosentriebe werden jetzt Besuch durch die ersten Schädlinge erhalten. Blattläuse können nur an den frischen Trieben der Rose saugen. Für ein Anstechen des reiferen Holzes reicht ihre Kraft nicht. Schnell wirkende Dünger lassen die Rosen förmlich explodieren. Sie wachsen so schnell in die Höhe, dass der Tisch für die Laus reich gedeckt ist. Eine Verwendung von langsam wirkenden Stickstoffverbindungen beugt dieser Entwicklung ein Stück weit vor. Diese Verbindungen finden sich in organischen Düngemitteln, aber auch in den meisten Rosendüngern. Auch sollten Sie immer auf die richtige Menge achten. Sie sollten Ihre Rosen, wenn es gerade in der Wachstumsperiode nicht ausreichend regnet, am späten Abend einmal durchdringend wässern.

Kommt es zum Befall gilt es die Zeit bis zum Eintreffen der natürlichen Feinde Marienkäfer, Schwebfliegenlarve, Gallwespe und der zahlreichen Meisen zu überbrücken. Haben Sie nur wenige Rosen hilft ein abendliches Abstreifen der Triebspitzen. Dort verursacht die Laus den eigentlichen Schaden. Haben Sie zahlreiche Rosen, hilft ein mindergiftiges Neem-Präparat. Der Einsatz eines stärkeren Mittels schädigt leider auch die Nützlinge.

Für Rosen in Kübeln sollten Sie einmal Stäbchen für Topfpflanzen versuchen. Diese Rosen haben oft mehr zu leiden, da sie auf warmen Plattenbelägen oder vor Mauern platziert werden. Auch Rosenpflaster gegen stechende Insekten lassen sich im Kübel gut einsetzen.

Der nächste ungebetene Besucher wird ein Untermieter sein der indirekt schadet: Die Blattrollwespe. Sie legt ihre Eier am Blattrand ab und sorgt dafür das, das Blatt sich einrollt und die Eier so bis zum Schlüpfen der Larven geschützt sind. Diese wandern dann zur weiteren Entwicklung in den Boden. Ein Befall tritt meist ab Mitte Mai bis Ende Juni auf. So lange fliegt die zwei bis drei Millimeter große Wespe. Eine Bekämpfung mit einem Insektizid ist nicht möglich. Nur das frühzeitige Entfernen der gerollten Blätter und die wiederholte Kontrolle der Rosen schafft Abhilfe.

Gegen Raupen hilft oft nur Absammeln oder die Förderung von Nützlingen. Präparate, die meist mit dem Gemüsegarten werben, sind einen Versuch wert. Wenn es an Pflanzen für den Küchentisch zugelassen ist, hat es in der Regel auch eine Zulassung für Zierpflanzen und könnte ja auch an den nicht zu verzehrenden Rosen wirken.

Triebbohrer sind wohl die ärgerlichsten Schadinsekten. Sie führen nicht nur zu einer Minderblüte, nein sie zwingen uns auch zu einem Rückschnitt der Rosen bis unter die Befallsgrenze. Nur wenn wir die Larven entfernen, ist der Schädling zu bekämpfen. Diese Larven befinden sich aber im Fraßgang in der Triebmitte. Beim abwärtsbohrenden Triebbohrer sind dies in der Regel nur zwanzig Zentimeter von der Triebspitze aus. Der Trieb bildet oft keine Triebspitze und ist so gut zu erkennen. Suchen Sie auch benachbarte Pflanzen gründlich ab. Der aufwärtsbohrendeTriebbohrer dringt oft schon zwanzig Zentimeter über dem Boden in die Pflanze ein. Die durch den Fraß geschädigten Pflanzen werden zusätzlich durch den im Sommer erzwungen starken Rückschnitt in ihrer Jahresentwicklung gestört. Je früher Sie die Eindringlinge bemerken, umso geringer fällt der Rückschnitt aus und umso größer ist die Aussicht auf einen dauerhaften Erfolg bei der Bekämpfung. Achten sie auf ungewöhnlich dicht stehende Stacheln oder besonders dicht stehende Blätter an sich stark verjüngenden Trieben. Dies sind die Anzeichen für eine Aktivität im Innern. Suchen Sie dann nach dem Eintrittsloch an einem Stachel oder unter einem Blattansatz, um Gewissheit zu erlangen.

Spinnmilben brachten uns im letzten Jahr einigen Verdruss. Manche Rosensorten waren sehr stark betroffen, andere dagegen gar nicht, obwohl sie direkt nebeneinander stehen. Die Sauger sind also nicht nur gut geschützt durch ihren Regenmantel aus Netzgeflecht, sie sind auch wählerisch. Einer Veröffentlichung ihrer bevorzugten Sorten, werde ich aber noch ein Befallsjahr folgen lassen. Was kann man oder Frau gegen sie unternehmen? Sorgen Sie für einen luftigen Rosenstandort. Buchsbaum gefasste Beete in voller Sonne waren bei uns deutlich stärker betroffen als freie Pflanzungen. Weiterhin hilft eine kalte Dusche am Abend, nach einem heißen, windstillen Tag. Dies hemmt die Entwicklung. Über chemische Präparate informieren Sie die örtlichen Fachgeschäfte.

Der leidige Pilzbefall

Egal welcher blattschädigende Pilz es nun sei, alle Mittel die zur Verfügung stehen wirken nur vorbeugend. Also sind sie vor dem eigentlichen Befall, wenn Sie die ersten Symptome sehen, auszubringen.

Pilze lieben Wärme und Feuchtigkeit in unterschiedlicher Ausprägung. Manche wollen warme Tage und Taunächte, andere dagegen Gewitterwetter mit hoher Luftfeuchtigkeit am Tag. Gehen Sie durch Ihre Bestände und sehen Sie nach den Blättern.

Als erster tritt der echte Mehltau an den jungen Blättern und rund um die Knospen auf. In der zweiten Jahreshälfte kommt er noch einmal. Es gibt zahlreiche zugelassene Mittel. Auch „Bio- Präparate“. Wie bei der Blattlaus hilft aber auch eine angemessene Düngung. Die Verwendung von Pflanzenstärkungsmittel tut ein übriges.

Was dann folgt ist wesentlich ärgerlicher. Rosenrost, an den orangefarbenen Pusteln an der Blattunterseite gut zu erkennen, und Sternrußtau, mit seinem grob sternförmigen Muster und der späteren Gelbfärbung der Blätter, sind härtere Typen. Dort hilft wirklich nur die Vorbeugung. Halten Sie sich an die Angaben auf der Verpackung oder dem Beipackzettel und lassen Sie die Schutzkette nicht abreißen.

Der letzte der Pilze ist der falsche Mehltau. Durch eine leichte Wellung der Blätter und einer rötlichen Verfärbung auf der Blattoberseite kündigt er sich an. Nur auf der Unterseite zeigt sich der graue Pilzbefall. Richtig schädlich ist ein Befall der Rinde. Dort kann er zu Absterben des ganzen Triebes führen, wenn er sich rundherum ausbreitet. Zugelassene Kupferpräparate schaffen Abhilfe.

Sommerschnitt

Nun aber zu erfreulichern Themen. Wenn der erste Flor am Verblühen ist, beginnt der Sommerschnitt. Er sorgt für Ordnung und einen starken Folgeflor. Edelrosen sollten bis zum ersten vollständigen Laubblatt zurückgeschnitten werden. Dies ist das erste Blatt mit fünf Fiederblättern. So ist die Bildung einer weiteren kräftigen Einzelblüte am größten. Sehr stark wachsende Edelrosen wie Noacks ‘Inspiration’ oder ‘Grande Amore’ von Kordes können auch weniger stark zurückgenommen werden. Dann bilden sie zahlreiche kleinere Blüten, bleiben aber niederer. Bei Beetrosen ist es Geschmacksache. Sie könne nur den Blütenbund oder auch, wie bei der Edelrose, bis zum ersten Fünferblatt schneiden. Der stärkere Schnitt bringt eine geordnetere Rose hervor, wohingegen der leichte Schnitt eine schnellere Nachblüte bringt.

Kleinstrauch- und Strauchrosen sollten nur die Blütenbüschel entfernt bekommen um einem übermäßigen Austrieb dieser wuchsstarken Typen vorzubeugen, der den Habitus des Strauches zerstören würde. Kletterrosen werden ebenso sorgsam behandelt und dadurch ein schneller Folgeflor erzielt. Sich ab Ende Juli bildende Langtriebe nicht einkürzen, sondern einbinden, um nächstes Jahr starkes Jungmaterial zu haben. Ziehen Sie solche Triebe schon in die gewünschte Position, solange sie noch gut biegsam sind.

Einmalblühende Kletterrosen sollten, wenn möglich, auch einen guten Anteil ihrer Langtriebe behalten. An diesen bilden sich im Folgejahr die stärksten blütentragenden Kurztriebe. Schneiden die Blüte einer ‘Maria-Lisa’ nicht zurück. Sie bekommt tolle Hagebutten.

Die Gruppe der historischen Rosen teilt sich in die nachblühenden (remontierenden) und die einmalblühenden. Die einmalblühenden bilden im Sommer Langtriebe die wir in Zweibrücken ab Mitte/Ende Juli bis Ende August unter diesjähriges Blütenniveau zurückschneiden. Dadurch wird eine weitere Verzweigung angeregt und im Folgejahr haben wir eine noch stärkere Blüte auf einem stabileren Astgerüst. Die nachblühenden Sorten werden frühzeitig wie moderne Strauch- oder Beetrosen behandelt. So wird eine weitere Blütenbildung verstärkt. Die Hagebutten werden bei uns zu Gunsten der Blüte erst ab dem Herbst als Schmuck stehen gelassen.

Die Hochstammrosen werden je nach veredelter Sorte behandelt.
Bei all dem Wachstum darf auch eine Kontrolle der Bindestellen an den Hochstamm und Kletterosen nicht fehlen. Viele gute Triebe sind so schon geschädigt worden und waren verloren.

Nachdüngung

Wenn Sie mit dem Blütenschnitt begonnen haben, ist es auch Zeit für die zweite Düngergabe. Fünfzig bis sechzig Gramm pro Quadratmeter mineralischen Volldünger oder Rosendünger oder einhundert bis einhundertzwanzig Gramm pro Quadratmeter organischen Volldünger ist die weitere benötigte Menge. Damit ist die Rose für den Rest des Jahres ausreichend versorgt. Im Normalfall findet sich auf dem Rosendünger eine entsprechende Mengenangabe.

Organische Dünger können schon zur ersten Blüte, vor dem Rückschnitt ausgebracht werden. Da sie langsamer wirken hat dies keine Nachteile. Es gibt Heute gepresste Produkte, die keinen unschönen Staub auf den Blätter zurücklassen.

Sollten Sie im Frühjahr einen Langzeitdünger gegeben haben, entfällt diese zweite Gabe natürlich.

Nach der Düngung den Boden noch auflockern und damit das gute Pflanzenfutter etwas einarbeiten.

Wässern

Wenn es nach der Düngung trocken bleiben sollte, ist auch eine Wassergabe nötig. Wie bereits vorher erwähnt, sollte diese möglichst am späten Abend oder in den frühen Morgenstunden gegeben werden.

Rosen müssen Sie in einem normalen Jahr ansonsten nicht wässern. Es hat sich jedoch gezeigt, das übermäßig stark mit Kompost versorgte und gemulchte Rosen mehr Wurzeln dicht unter der Erdoberfläche bilden und dadurch schneller unter Trockenheit leiden. Diese Rosen müssen gegossen werden. Eine „normale“ Rose wurzelt in kurzer Zeit fünfzig bis sechzig Zentimeter tief und findet dort sehr viel länger Feuchtigkeit. Sie leidet „nur“ unter der Wärme und die Blüten sind nicht so lange haltbar.

Einen schönen Rosensommer wünscht Ihnen

Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken

© 2010 Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e.V.