Liebe Rosenfreundinnen und Rosenfreunde,
Frühjahr 2010, an diese Zahl muss ich mich noch gewöhnen. Ich hoffe Sie sind alle wohlbehalten ins neue Jahr gekommen und ein guter Vorsatz für 2010 betrifft auch Ihre Rosenkultur.
Das Gartenjahr beginnt schon und wenn im Februar die Temperaturen über minus fünf Grad steigen, können Sie auch die ganz groben Verjüngungsschnitte vornehmen. Damit meine ich das Entfernen mehrerer kompletter alter Haupttriebe aus einer Strauch- oder Kletterrose zur Anregung eines Neuaustriebes aus der Basis. In der Ruhephase ist dies für die Pflanze schonender. Die Feinarbeit muss noch warten. Sie können bei dieser Gelegenheit aber auch alle anderen Rückschnitte an den „Rosengartenelementen“ vornehmen, wie zum Beispiel eine zu groß gewordene Eibe zur rechten Proportion verhelfen oder eine Hainbuchenhecke stark verkleinern. Auch der Obstbaum mit dem Rambler drin, verträgt nun eine Auslichtung. Sollte kein Schnee liegen, können Sie die Zeit nutzen und das letzte Rosenlaub aus den Beeten entfernen. Ab in die Mülltonne damit. So werden die Pilzsporen daran nicht mehr Ihre Rosen befallen. Wenn Rosen nicht zu dicht gepflanzt wurden, ist diese Arbeit gut mit einem schmalen Laubfächer zu erledigen. Ein Laubsauger bzw. ein Gebläse kann die Arbeit in großen oder zu dichten Flächen sehr erleichtern. Er macht jedoch auch Lärm. Die leichten, elektrischen Geräte verursachen einen unangenehmen Pfeifton, sind jedoch insgesamt „nachbarschaftsfreundlicher“. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie gleich das letzte Staudengefolge zurückschneiden.
Ist der Boden nicht gefroren, die Beete bitte noch nicht betreten. Sie würden sehr stark die Bodenstruktur beschädigen. Diese Verdichtungen sind später nur schwer wieder zu beheben.
Trittsteine oder Trittplatten, in größeren Anlagen, auch schmale Pflegewege ermöglichen ein leichteres Arbeiten im gesamten Jahresverlauf. Wenn Sie noch keine haben, merken Sie sich einfach die Stellen, an denen Sie zum Rosenschnitt, zum Verblühten schneiden und zum Jäten immer wieder das Beet betreten müssen. Verteilen Sie in einem für Sie bequemen Schrittabstand einzelne Trittplatten.
Sollten die Temperaturen in den März hinein deutlich steigen, können Sie auch mit dem Entfernen der Winterabdeckungen beginnen. Damit verhindern Sie dann einen zu frühen Austrieb unter dem Schutz.
Wenn der Boden abgetrocknet ist und die Forsythien bei Ihnen in der Region blühen, nicht jeder hat ja welche im Garten, geht es mit dem richtigen Rosenschnitt los.
Zuvor häufeln Sie ihre Rosen ab.
Wenn Staudenumpflanzungen in Ihrem Garten anstehen oder Sie Stauden als Rosenbegleiter aufnehmen wollen, markieren Sie sich die Pflanzstellen vor dem Rosenschnitt. Danach ist die Rose deutlich kleiner und wenn zwei, drei Wochen später die Stauden kommen, wird oft zu dicht an die Rose gepflanzt. Die Triebspitzen der gewachsenen Pflanzen, Rose wie Staude, sollen sich berühren, die Blüten im Randbereich mischen. Es ist jedoch sehr nachteilig für die Blattgesundheit der Rosen, wenn die Blätter bei zu dichtem Stand nicht richtig abtrocknen können.
Pflegehinweise
Praktische Tipps von Rosenexperte Heiko Hübscher, Zweibrücken
Der Rosengarten im Frühjahr
Frühjahrsschnitt
Nun aber ans Werk, die Forsythien blühen, wie und wo fange ich an?
Egal welche Rose Sie schneiden, zu Anfang immer alles tote Holz ausschneiden oder beschädigte Zweige einkürzen. Dies schafft Übersicht. Erfrorene Triebe sind meist schwarz verfärbt, nicht lila, dies ist eine Farbeigenheit mancher Rosen. Wenn Sie unsicher sind, schneiden Sie den Zweig an. Ist er innen braun verfärbt, ist er erfroren. Ist er grün oder weißlich, ist er gesund. Oft reicht dazu auch das Abschaben der Rinde an einer kleinen Stelle. Dort sehen Sie noch besser, ob das darunter liegende Gewebe grün ist oder nicht. Manche Zweige sind Außen blassgrün und runzlig. Diese sind nicht erfroren, sondern vertrocknet. Dies ist eine Folge von sonnigen Wintertagen mit Wind. Auch dort schafft das leichte Abschaben der Rinde Gewissheit.
Kletterrosen
Zuerst beschäftigen wir uns nun mit den Kletterrosen. Diese sind am anfälligsten für ausgebrochene Knospen bzw. Austriebe. Wenn Sie Ihre Rosen aufmerksam beobachten werden Sie feststellen, dass die am höchsten sitzenden Knospen viel früher austreiben als die weiter unten am Trieb. Oft finden sich oben schon kleine Blätter, wenn die unteren Knospen noch nicht einmal geschwollen sind. Gerade diese frischen frühen Austriebe sind bruchgefährdet. Bei den Kletterrosen werden, im Gegensatz zu den niedrigen Beetformen, die oberen Triebenden aber ja nicht weggenommen. Darum diese Rosen als erste schneiden, bevor sie austreiben. Wir, im Rosengarten Zweibrücken, lösen die Kletterrosen von den Wuchshilfen. Sie lassen sich dann viel besser schneiden. Die anschließende optimale Neuformierung an der Kletterhilfe bringt ein deutlich schöneres Blütenbild, egal ob fünf Meter hoher Rambler oder moderne Kletterrose an der Laterne.
Wenn die Rosen am Boden liegen, werden zuerst alle kurzen Seitetriebe auf drei bis fünf Knospen zurück geschnitten. Von den längeren Seitentrieben bleiben die schönsten in ausreichender Zahl erhalten, um die Fläche zu füllen. Sind es zu viele, kann man sie später auch einkürzen. Dann wird der beste, vitalste Trieb an der Kletterhilfe befestigt. Es folgt der zweitbeste und so weiter. Ist die Fläche gefüllt, wird der verbleibende Rest, in Folge der Vorgehensweise sind es die schwächsten Triebe, am Boden entfernt. Dadurch wird ein Neuaustrieb in der zweiten Jahreshälfte gefördert. Diese Methode bringt im ersten Jahr, an einer älteren Rose angewendet, einiges an Mühe mit sich. Besonders wenn Rosentriebe in die Kletterhilfe eingeflochten wurden. Aber es lohnt sich. Von diesem Einflechten, besonders in Rosenbögen, bitte ich im Übrigen ganz Abstand zu nehmen. Diese steil nach oben geführten Triebe zeigen in Folge ihr stärkstes Wachstum an den Spitzen und werden deutlich schneller im unteren Bereich blühfaul. Winden Sie die Triebe um den Bogen. Es dauert zwar ein bis zwei Jahre länger, bis der Bogen geschlossen ist, aber er bleibt über längere Zeit deutlich dichter mit Blüten bedeckt.
Strauchrosen
Nun kommen die Strauchrosen an die Reihe. Bei ihnen bleiben möglichst viele Haupttriebe mit vielen Seitenverzweigungen stehen. Der einzeln stehende „Rosenbusch“ wird umso schöner, beeindruckender, je mehr Blütenholz sich bilden kann. Sie müssen aber darauf achten, das auch Licht und Luft ins Innere des Strauches kommen können. Sonst sterben die tiefer entstehenden, inneren, jungen Triebe schnell ab und können dann nicht zur Verjüngung herangezogen werden. Die genaue Schnitthöhe können Sie ungefähr aus der Höhenangabe des Züchters entnehmen. Kürzen Sie jeden Seitentrieb im äußeren Strauchbereich auf etwa fünf Knospen ein. Dann entstehen mehr kurze Blütentriebe. Die aus der Strauchmitte kommenden Triebe nehmen Sie auf etwa zwanzig Zentimeter unter den angestrebten Strauchdurchmesser zurück.
Mit diesem Rosentyp eng verwand, oft zu unrecht verschmäht, sind die Kleinstrauchrosen. Zeichnen sich doch viele Sorten dieses Typs durch eine besondere Gesundheit und üppigste Blütenfülle aus.
Kürzen Sie Ihre Kleinstrauchrose einmal nicht so stark ein und lassen Sie, ähnlich wie bei einer Strauchrose, fünf bis sieben Haupttriebe mit ebenso vielen Seitentrieben stehen. Diese Seitentriebe können dann auf drei bis fünf Knospen zurückgenommen werden. So bildet sich ein verzweigter, kleiner Strauch, der nicht die für Bodendecker typischen überlangen Peitschen bildet. In Kombination mit halbhohen Stauden sind diese Rosen unübertroffen.
Beetrosen
Bleiben noch die öfterblühenden Beetformen, seien es jetzt Edelrosen, Beetrosen oder Zwergrosen. Diese unterteilen wir grob in zwei Gruppen. Die starkwachsenden und die schwachwachsenden Sorten. Manche Rosensorte, wie zum Beispiel die Edelrose ‘Inspiration’ aus dem Hause Noack, treibt, wenn sie stark geschnitten wird, das heißt wenige Knospen stehen bleiben, sehr lange Ruten, die dann auch nur wenige Blüten tragen können. Lässt man jedoch sieben oder mehr Triebe, mit bis zu sieben Knospen stehen, bildet sich ein Blütenbusch. Die Rose hat soviel Kraft, dass die Einzelblüten trotzdem eine ordentliche Größe erreichen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, würden wir so mit der Beetrose ‘Bad Birnbach’ aus dem Hause Kordes verfahren, hätte sie einen Miniaturflor. Denn diese Rosensorte ist ein Beispiel der schwach wachsenden Typen und sollte auf jeden Fall auf drei bis fünf Triebe, mit nur drei bis maximal fünf Knospen geschnitten werden. Dann überzeugt die Sorte mit gutem Wachstum und schöner Blüte.
Also nicht, wie oft gesehen, auf starkes Wachstum mit starkem Schnitt reagieren. Leiten Sie die Kraft der Rose in möglichst viele Knospen. Andererseits auch nicht scheinbar kümmerliches Wachstum durch fehlenden Schnitt zusätzlich belasten. Schnitt bedeutet, die Pflanze ordnen und das Wachstum organisieren und leiten, wenn man es etwas technisch betrachtet. Wie bei allem in der Natur und wenn es um Lebewesen geht, beobachten Sie und entscheiden Sie dann was Ihre Rose fördert.
Einmalblühende Rosensorten
Dies gilt auch für die einmalblühenden Rosensorten, egal ob Kletter- oder Strauchrose.
Erstere werden bei uns im Frühjahr, sofern sie nicht in Bäumen frei wachsen, neu angebunden und bekommen vorher die Triebe des Vorjahres, die diesjährigen Blütentriebe, etwas eingekürzt. Die zweite Gruppe wurde bereits im letzten Spätsommer geschnitten. Nun werden nur noch, wenn nötig, einige ältere Haupttriebe entnommen und die letzten langen Jungtriebe des vergangenen Jahres auf Strauchhöhe eingekürzt. So bietet sich ein relativ kompaktes Bild. Wobei sich die Strauchhöhe wie immer aus der sortentypischen Wuchshöhe ergibt. Wenn Sie diese Rosen besonders üppig lieben und weniger schneiden, lohnt es sich jetzt schon eine geeignete Stütze für die überhängenden Blütenpracht einzubauen. Je früher dies geschieht, um so „natürlicher“ wirkt später die Rose. Zwei Halbkreisförmige Staudenstützen mit einem Radius von etwa vierzig Zentimeter, aus fünf bis acht Millimeter dickem Stahl, haben sich bewährt und sind unter den Rosen nicht zu sehen.
Nach dem Schnitt kommt die Spurenbeseitigung. Lockern Sie den Boden rund um Ihre Rosen mit einer Rosengabel. Dieses zweizinkige Werkzeug ist ideal um zwischen Rosen zu arbeiten. Nur tief lockern, kein echtes Umgraben.
Frühjahrsdüngung
Bevor Sie danach den Kultivator für eine feinere Krümelung ansetzen, werden die guten Sachen für ein üppiges Wachstum ausgebracht: Der Dünger und die „Bodenhilfsstoffe“.
Welche Art Sie auch verwenden, am besten Rosendünger, nur so viel ausbringen wie auf der Packung angegeben. Alles was zu viel für die Rose ist, kommt Blattläusen und den Blattpilzen zugute.
Die Rosendünger sind mittlerweile fast alle auf organischer Basis. Dies bedeutet die Nährstoffe, allen voran der Stickstoff (N), sind in einer Form darin enthalten, die erst durch das Bodenleben freigesetzt wird und nicht einfach nur Wasser benötigt, um gelöst zu werden. Auf Neudeutsch „Slowfood“. Zusätzlich sollte Sie auch das Bodenleben durch Bodenaktivatoren oder Produkte auf Basis von „Mist“ fördern. Gerade Rosen mit ihren Problemen brauchen einen ausreichend belebten Boden um dauerhaft am gleichen Standort zu gedeihen. Die Hersteller und Vertreiber dieser Produkte bieten inzwischen richtige Pflegeserien an, die auch durchaus empfehlenswert sind.
Im Anschluss kommt die Wassergabe, die alles zum Laufen bringt. Wenn es nicht wirklich stark regnet, sollten Sie durchdringend wässern. Da noch keine Blätter vorhanden sind, besteht auch keine Gefahr der Pilzförderung.
Sobald die ersten Blätter entwickelt sind, ist der erste aktive Pflanzenschutz angebracht. Etwas vorbeugend unternehmen müssen Sie, sonst kommt es unweigerlich zu einer Pilzinfektion. Dabei braucht es nicht immer gleich ein Pilzmittel zu sein. Auch Stärkungsmittel, wie zum Beispiel „Vitanal Sauer Kombi“, zeigen bei nicht zu anfälligen Sorten durchaus Wirkung. Selbst sensiblere Austin-Sorten kommen damit erfolgreich durch den Sommer. Diese Mittel müssen nur öfter angewendet werden, sind dafür jedoch völlig unbedenklich für den Anwender und die Natur.
Sollten Sie aber doch auf ein Fungizid zurückgreifen, informieren Sie sich im Fachhandel, welche Produkte für Rosen zugelassen sind und verwenden Sie besser ein Kombipräparat. Damit sind dann in der Regel alle Gefährdungen abgedeckt. Auch nach einer Beratung die Packungsbeilage immer aufmerksam lesen.
Das oben gesagte gilt ebenso für die Insekten. Agieren Sie früh und überlegt, dann kann die Population eingedämmt und der Schaden ganz vermieden werden.
Viel Erfolg im Rosenjahr 2010 wünscht Ihnen
Heiko Hübscher, Rosengarten Zweibrücken

