Zum 29. Kasseler Rundgespräch hatte die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e.V. (GRF) vom 02. bis 04. September 2016 nach Dortmund eingeladen. Dieser fachlich getragene Event wurde zum vierten Mal hier ausgetragen. Das Thema war: „Rosenduft – Duftrosen“. Eine gelungene Wahl war der Westfalenpark mit seinem namhaften Rosarium und Tagungs-Räumen als zentraler Anlaufpunkt.

Das Besondere an diesem Kasseler Rundgespräch war, dass erstmalig Organisation und Gestaltung in der Hand des Geschäftsführenden Vorstands und der Geschäftsstelle der GRF lagen, wobei Dorothea Jungen, 2. Vizepräsidentin der GRF, die Hauptverantwortung trug. Sie hat es dabei verstanden, ein spannendes Programm aufzustellen und mit hervorragenden Referenten zu besetzen. Darüber hinaus war auch ein interessantes Beiprogramm im Angebot.

Nach dem Empfang am 02. Sept. im „Haus der Rose“ im Westfalenpark erfolgte eine sachkundige Führung durch die Herren Lolling und Perpeet auf dem „Rosenweg“ durch das Rosarium, dem drittgrößten der Welt. Die Rosensammlung als solche geht als Außenstelle des Botanischen Gartens seit dem 14. Juli 1972 auf eine Kooperation zwischen der GRF und der Stadt Dortmund zurück. Bei der Führung wurden die hier präsentierten 2.600 Rosen in ihren unterschiedlichen Aufgabenstellungen erläutert und erklärt. Die zahlreichen Beispielgärten informierten über die Vielfalt der Rosen, ihre Geschichte, Abstammung, Züchtung und ihre gärtnerisch-gestalterische Verwendung. Einbegriffen waren historische Rosengärten (Jugendstilgarten, Mittelalterlicher Garten, Bürgergarten), ein Duftrosen-Garten, der Rosensichtungs- und Versuchsgarten, die Sortimentspflanzungen (Züchter, Nationalitäten, Rosenklassen) und die ADR-Schaupflanzung. Neben Historischen Rosen waren Wildrosen – hier fanden die vielfältigen Hagebutten besonderes Interesse - sowie die Sammlung der Beetrosen in der Bepflanzung zu sehen, wobei deren Trennung nach Rosenklassen und Farben sowie die Kombination mit Stauden, Gräsern und Gehölzen viele Anregungen für den eigenen Garten gaben. 

Das Programm am 03. Sept. begann in den Räumlichkeiten des Westfalenparks mit der Verleihung des Titels "Rosenbotschafterin der GRF" an die Rosenexpertin Eilike Vemmeraus Vechelde-Wedlenstedt durch den Präsidenten der GRF, Professor Dr. Hans-Peter Mühlbach. Frau Vemmer stellte zwei Schwerpunkte in den Vordergrund, die sie für sich in dieser Aufgabe sieht. Das betrifft in erster Linie die Unterstützung des Europa-Rosariums in Sangerhausen. Des Weiteren will sie sich in die Verbreitung des Wissens über die Rose, immer unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse, auch weiterhin öffentlich einbringen.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung demonstrierte Frau Nazarian-Eckstein, Dortmund, mit praktischen Beispielen das Trainieren des Geruchssinns. Dabei lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie man das Riechvermögen über die Einatmung perfektionieren kann. Hierfür hatte sie zahlreiche Versuchsobjekte mit Rosenduft vorbereitet, an denen geübt wurde. Die gewonnenen Erfahrungen wurden danach diskutierend ausgewertet.

Im nachfolgenden Vortrag vermittelte Professor Dr. Dr. Hanns Hatt von der Ruhruniversität Bochum neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Bedeutung, die Düfte für Pflanzen, Tiere und Menschen besitzen. Bei Pflanzen dient der Duft der Fortpflanzung, dem Schutz vor Mikroorganismen und Fraßfeinden sowie als Kühlsystem bei Hitze. Professor Hatt erläuterte den Weg der Sinnes-Wahrnehmung von Düften bei uns Menschen über die Riechzellen der Nasenschleimhaut bis direkt ins Gehirn. Sogar über den Magen, die Haut und die Atmung können Düfte aufgenommen werden. Er ging auch auf die psychologische, soziale und kulturelle Bedeutung des Duftes ein. Düfte können Empfindungen und Stimmungen hervorrufen und Erinnerungen wecken. Die geweckten Emotionen (Freude) und Assoziationen (Kindertage) stehen dabei stets in einem persönlichen und kulturellen Interpretations-Kontext. Düfte können Einfluss auf Entscheidungen und auf das Sozialverhalten nehmen.

Frau Marion Nickig, eine Essener Fotografin zeigte mit viel Beifall im weiteren Verlauf "Duftende Rosen im Bild", wie sie sie für Kalender eindrucksvoll ins Bild setzt. Am Nachmittag erfolgte der Besuch des Botanischen Gartens Rombergpark von Dortmund in der der Führung durch seinen Leiter Herrn Dr. Knopf. Es handelt sich um einen alten Landschaftspark, dem Rombergschen Schlosspark, in den ab 1927 der bereits zuvor bestehende Botanische Garten Dortmunds integriert wurde. Der Park ist in seiner Gesamtheit ein Flächendenkmal mit rund 4500 Gehölzarten und -sorten. Als Naherholungsgebiet vereint er die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts und eine wissenschaftliche Gehölzsammlung, das Arboretum. Markant ist u.a. die im Jahr 1822 gepflanzte Linden-Allee. Hervorzuheben sind hier insbesondere zukunftsweisende Baumpflanzungen, deren Sorten sich den veränderten Klimabedingungen stellen und so Anhaltspunkte für die künftige Stadtbegrünung von Dortmund geben sollen.

Einige duftende Einblicke

 

Die Vortragsreihe am 04. Sept. eröffnete Eilike Vemmer. Mit einer akribisch recherchierten Literaturauswertung stellte sie dar, welche Bedeutung der Rosenduft über die Jahrhunderte besaß. Sie postulierte, dass der Duft der Rose zwar von Dichtern besungen wurde, die vorliegende Fachliteratur dieser Zeit dieses aber sehr dürftig widerspiegelte. So wird der Rosenduft als solcher erstmalig 1855 eindeutig belegt. Die Hintergründe dafür wären nicht klar erkennbar, denn generell ist alten Rosen ein gewisser Duft nicht abzusprechen. Schließlich duften die meisten Wildarten und "Alten Rosen". Doch es bedarf schon einer Klassifizierung, um ihn zu beschreiben, was in zurückliegenden Zeiten in der Aussage nur allgemein erfolgte. Am Beispiel vieler Alter Rosen (Gallica, Damascener, Centifolien etc.) ging sie abschließend auf deren unterschiedliche Düfte und auf die Hintergründe der Duftentwicklung ein.

Abschließend referierte Thomas Proll, Rosenzüchter der Firma Kordes über "Duftrosen des Hauses Kordes - die Zukunft duftet wieder". Aus züchterischer Sicht ging er darauf ein, dass der Duft seinerzeit zu Gunsten der Winterhärte, Haltbarkeit der Blüte und Krankheitsanfälligkeit zurückstehen musste. Das hängt damit zusammen, dass die Gene des Duftes mit diesen Instabilitäten oft gekoppelt sind. Das änderte sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts durch das Interesse an nostalgischen Rosen. In Bezug auf Schnittrosen war sogar beabsichtigt, dass sie nicht duften, denn der Duft gibt für die Knospe den Anreiz sich zu öffnen. Insgesamt gesehen hat der Duft der Rose so seine Tücken. Er verliert sich gegen Abend oder an kühlen Herbsttagen und ist wiederum an einem taugetränkten, warmen Sommermorgen oder an schwülwarmen Sommertagen am intensivsten. In der Wahrnehmung durch den Menschen spielen die persönliche Tagesform, Erinnerungen, Assoziationsvermögen oder Stimmungen eine große Rolle.

Bezüglich der Duft-Charakterisierung bei Kordes berichtete er, dass die klassische Duftpyramide aus der Praxis der Parfümeure durch das Züchterhaus Delbard bereits "besetzt" ist. Diese gliedert sich in eine Kopf-, Herz- und Grundnote. Dabei beschreibt die Kopfnote Düfte, welche zuerst wahrgenommen werden (Citrus, Pampelmuse...). Die Herznote geht auf Duftnuancen ein, die florale, fruchtige oder würzige Düfte erahnen lassen (Jasmin, Apfel, Nelke ...). Die Grundnote wird von Duftnuancen gebildet, die balsamische oder waldartige Duftanmutungen (Zeder, Patchouli, Moos, Vanille...) haben. Diese Darstellung erfolgt bei Kordes gleichfalls basierend auf der Praxis der Parfümeure als Rosenduftkreis ringförmig, farbig unterlegt, von innen nach außen folgend. Sie beginnt mit der Kopfnote (feine Spitze des Sortenduftes) über die Herznote (der zentralen, markanten Duftkomponente) hin zur Basisnote (dem tragenden Hintergrund des Duftes). Diese Betrachtungsweise findet sich bei der Rosensortengruppe der "Parfuma-Rosen" wieder. Die Parfuma®-Serie zeichnet sich durch eine hohe Gesundheit mit außerordentlich intensivem Duft und wunderschöner Blüte aus. Bezüglich des aktuellen Sortiments wusste er viele sehr eindrucksvolle Geschichten, die sich auf die Namensgeberinnen bezogen, zu erzählen.

Die Begeisterung für die Rose als Krone aller Blumen vermittelte er in einer ihm eigenen persönlichen und firmenübergreifend neutral gehaltenen Art. Für das 30. Kasseler Rundgespräch in 2017 ist Kassel als Jubiläumsort vorgesehen.

Dr. Jürgen Schwarzl, Hamburg