Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

ein Wort zum Rosenstandort, mal losgelöst von der jahreszeitlichen Rosenpflege.

Eine Rosenfreundin sagte einmal zu mir: “Seit ich mich um meine Rosen kümmere, habe ich nur Probleme!“ Da ist etwas Wahres dran, denn schnell kann aus der Pflege der Wunsch nach Optimierung werden. Dann werden aus kleinen Schwächen einer Rose Probleme, die es zu lösen gilt, um die Zufriedenheit zu erlangen, die vorher schon eine schöne Blüte erzeugte.

Bei der Bodenverbesserung verhält es sich genauso. Schnell wird daraus die „Standortoptimierung“. Ein Spielfeld mit zahlreichen Tücken. Am häufigsten wird die Düngung mit der Bodenverbesserung und Bodenpflege verwechselt. Und Düngung alleine schafft nur neue Probleme.

Wie sieht der optimale Standort aus?
Sonne, Wind, Wasser und anstehender Boden, das sind die Faktoren. Sonne braucht eine Rose für mindestens fünf Stunden, um ausreichend Photosynthese betreiben zu können und dadurch ihre Eigenversorgung sicherzustellen. Dann klappt es auch mit der Blüte. Die Morgensonne ist wichtiger als die Abendsonne! Denn am Morgen soll sie den Tau möglichst schnell von den Blättern trocknen. Zuviel Sonne bringt auch Probleme! Hitzeschädlinge wie Spinnmilben treten dann schnell auf. Gerade in Südlagen, entlang von Pflasterwegen und vor Hauswänden. Jetzt kommt der Wind ins Spiel! Gut durchlüftet soll der Standort sein. Wasser, das braucht jede Rose zur rechten Zeit. Von oben, nicht an den Füssen! Denn Staunässe verträgt sie ganz und gar nicht. Im Frühjahr, zum Wachstum braucht sie reichlich Feuchtigkeit. Im Sommer ist sie genügsamer. Selbst sechs Wochen Trockenheit steckt sie weg. Kleinere und weniger Blüten sind die Folge. Da haben andere Sträucher schon längst alle Blätter verloren. Die Rose ist ein, für ihre Höhe, sehr tief wurzelndes Gehölz. Einhundertzwanzig Zentimeter sind selbst von den Edelrosen erreichbar. Dort findet sie wenigstens genug Feuchtigkeit zum Überleben. Nun wären wir beim anstehenden Boden. Waren die vorhergehenden Faktoren durch Ortswahl und Gießkanne noch relativ leicht zu beeinflussen, ist der Boden meist das größte Problem.

Welchen Boden mögen Rosen? Welchen Boden brauchen Rosen?
Wie Kinder! Nicht alles was die Rose mag, ist dauerhaft gut für sie! So haben Mulchauflagen aus verrottendem Pflanzenmaterial durchaus eine pflegende Wirkung. Jedenfalls für einige Jahre. Dietrich Woessner hatte dazu über zehn Jahre Versuche gemacht und kam zu keinen dauerhaft positiven Ergebnissen. Das Wachstum war zu Beginn der Mulchung in der Regel besser als vorher. Das Bodenleben wird gestärkt. Die Rosen neigen aber schnell zu einer sehr flachen Wurzelbildung und bekommen in der Folge im Sommer immer stärkere Wasserprobleme. Oder besser gesagt, wir bekommen die Probleme, denn wir müssen dann das Wasser heranschaffen! Ob Rasenschnitt, Laub unterschiedlichster Gehölze oder Rinde in unterschiedlichsten Körnungen, immer war das Ergebnis das gleiche.

Welchen Boden brauchen den nun Rosen?
Auch hierzu hat der Ahnvater der Rosenpflege einiges hinterlassen, was immer noch Geltung hat. Eine starke Auflage, bestehend aus gutem Acker- oder Gartenboden. Vierzig bis Fünfzig Zentimeter stark und kultiviert. Kultiviert bedeutet, der Boden hat regelmäßige Lockerungen erfahren und weist einen ausgeglichenen Nährstoffgehalt auf, das Bodenleben ist aktiv. Darunter sollte sich ein Horizont aus unkultiviertem, jedoch wasser- und nährstoffspeicherfähigem Boden befinden. Dieser sollte Zwanzig bis Dreißig Zentimeter stark sein. Darunter sollte sich eine gut Wasserdurchlässige Schicht aus zerklüftetem Gestein befinden. Dadurch ist längere Staunässe ausgeschlossen. Das Gestein ist idealerweise ein Kalkgestein. Somit ist der pH-Wert durch aufsteigendes Kalkwasser gesichert. Klasse! Und wer hat diesen Boden? In meinem Garten befindet sich Sandstein darunter. Nicht zerklüftet, sondern in Platten. Unter dem Rosengarten befindet sich eine gewaltige Schicht Flussschlamm. Na und! Wir können ja etwas tun. Die Rosen sollen ja 25 Jahre stehen und somit lohnt sich etwas Aufwand allemal. Vor der Anlage eines Rosenbeetes empfiehlt jeder erfahrene Gärtner das Beet tiefgründig zu lockern. Das bedeutet vierzig bis fünfzig Zentimeter tief! Also hatte ich die Möglichkeit die Auflage aus „bestem Gartenboden“ in Augenschein zu nehmen. Ist er nicht bestens, so kann er in diesem Zuge aufgewertet werden. Fangen wir unten an: Sollte der Untergrund verdichtet sein, so wird er aufgebrochen! Warum? Sonst bauen Sie eine Badewanne für Ihre Rosen. In dem gelockerten, luftigen Bereich würde sich das Wasser in jeder freien Pore sammeln. Stärker, als im umliegenden Erdreich. Sehr schlecht! Denn Rosen brauchen neben Wasser auch viel Bodenluft. Sie sorgt für gute Stoffwechselvorgänge und eine rasche Erwärmung im Frühjahr

Kennen Sie das, kaum hat man die Beete gelockert, scheint der Garten zu explodieren?

Das ist die Wärme, die jetzt eindringen kann. Also, noch etwas tiefer graben und Ruhe haben! Haben Sie sauren Sandstein darunter, und keinen kalkigen Boden obendrauf, dann hilft eine Kalkgabe den pH-Wert auf 6,4 bis 7,5 zu heben. Durch die später noch folgenden Erläuterungen, kann der pH-Wert auch stabilisiert werden, indem man den flüchtigen Kalk, so gut es eben geht, in solch einem Boden bindet. In die Auflage eines nicht ganz so fantastischen Gartenboden, ob Sand oder stark bindig, kommt kein Kompost! Dieser kommt immer am Schluss obendrauf und wandert dann durch das Bodenleben tiefer. In einer Tiefe von vierzig Zentimeter ist viel zu wenig Sauerstoff für eine vernünftige Rotte. Es könnten Ammoniakverbindungen entstehen und diese sind schädlich für Pflanzenwurzeln. Auch dies wurde durch Versuchsreihen unzweifelhaft nachgewiesen. Sie können jedoch stark zersetzten, vorbereiteten Humus einbringen. Es befinden sich einige Produkte auf dem Markt. Sei dies nun Ecosus oder Terra preta. Alle diese Produkte weißen einen Anteil aus speziell verkohltem Holz auf. Dieser hohe Kohlenstoffanteil ermöglicht zusammen mit Tonmineralien die Bildung der wichtigen Ton-Humus-Komplexe. Diese sind entscheidend für die anhaltende Bodenfruchtbarkeit. Der Boden erhält die Fähigkeit in diesen Komplexen Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form anzulagern, zu speichern. Dazu noch eine kräftige Prise eines Bodenaktivators oder einer flüssigen Microorganismenbrühe wie EM und der Entwicklung steht nichts im Weg! Die letzten beiden Produktgruppen fördern nach all dem Gemische den Neustart der Bodenbelebung. Stopp! Sie haben einen tiefgründigen Sandboden? Dann mischen Sie zusätzlich Bentonit-Sandbodenverbesserer ein. Dieser enthält die Tonminerale, die Ihrem Boden fehlen. Dann bekommt Ihr Boden auch Komplexe. Aber immer die Mischungsempfehlungen beachten! Nicht Viel hilft viel! Ganz schön was zu tun. Aber es lohnt sich, wenn der Bodenstandort nicht passt.

Von einhundert Seminarteilnehmern, sind immer zehn dabei, die nie etwas an ihrem Boden getan haben und deren Rosen sich trotzdem prächtig entwickeln. Diese Glücklichen! Die haben einen richtig guten Standort erwischt. Haben Sie nun schon bestehende Rosenbeete und diese lassen in ihrer Entwicklung zu wünschen, dann können Sie sowohl die Kohlenstofflieferanten, als auch die Tonmineralspender und die Mikroorganismen noch nachträglich einbringen. Es lohnt sich! Denn wenn der Standort passt, dann kann Ihre Rose gesund wachsen, Sie müssen sich weniger um sie kümmern und dann haben Sie auch weniger Probleme durch das Kümmern.

Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht 

Ihr Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken