Unsere Rosenreise nach Luxemburg und Belgien

Sonntagmorgen, 16.07.2017, 8:00 Uhr Treffpunkt Hauptbahnhof Frankfurt:
Pünktlich hatten sich alle reiselustigen Rosenfreunde zu diesem frühen Termin hier eingefunden, wo unser Bus uns erwartete. Schnell war das Gepäck verstaut und schon konnten wir uns aufmachen zu unserem ersten Ziel, dem „Garten der Sinne“ in Merzig im Saarland

Dieser romantische Garten ist Teil des europäischen Projektes „Gärten ohne Grenzen“ unter Beteiligung von Deutschland, Luxemburg und Frankreich. In abwechslungsreichen „Gartenzimmern“ sind äußerst stimmungsvolle, unterschiedliche Möglichkeiten der gärtnerischen Gestaltung verwirklicht, von meditativen Anlagen, einer kleinen Rosensammlung, schon fast spätsommerlichen Kompositionen aus Gräsern und Stauden bis hin zu durchaus interessanten Steingartenflächen mit seltenen Trockenrasen-Pflanzen. Ein Ort, an dem man bei einem entspannten Rundgang die Seele baumeln lassen konnte, und somit ein gelungener Auftakt der Reise.

Schon bald danach waren wir im Großherzogtum Luxemburg angekommen und machten Halt in Mondorf-les-Bains (Bad Mondorf), um dort den wieder erstandenen Rosengarten zu besichtigen. Oskar Scheerer, der große Gartengestalter aus Zweibrücken, hatte diesen Garten geplant und 1962 der Öffentlichkeit übergeben können. Leider wurde der Garten später etwas vernachlässigt und geriet sogar in Vergessenheit, bis er 2016 wieder neu belebt wurde. Die terrassenförmige, romantische Anlage mit einigen Wildrosen und zahlreichen Beet-, Strauch- und Kletterrosen (leider noch ohne ausreichende Beschilderung) gab viel Anlass zu fachlichen Diskussionen.

Gegen Abend wurde dann die Hauptstadt Luxemburg erreicht, die wir am nächsten Morgen bei einer außerordentlich fachkundigen Führung kennenlernen durften. Von der Anlage der Burg auf dem Bocksberg im frühen Mittelalter, der Keimzelle der Stadt Luxemburg, bis zu den futuristischen Verwaltungsgebäuden, in denen Institutionen der Europäischen Union untergebracht sind, wurde uns die Geschichte und Kultur des Großherzogtums erläutert. Sogar am Haus der Rosenzüchterfamilie Soupert (Soupert & Notting) kamen wir vorbei und konnten einen Blick darauf werfen. Und auch einen Gedenkstein anlässlich eines Aufenthaltes von Johann Wolfgang von Goethe in Luxemburg gab es zu bestaunen, mit der Inschrift: „Hier findet sich soviel Größe mit Anmut, soviel Ernst mit Lieblichkeit verbunden, dass wohl zu wünschen wäre, Poussin hätte sein herrliches Talent in solchen Räumen betätigt. Goethe über Luxemburg, Campagne in Frankreich, 15. Oktober 1792.“ (Poussin war ein barocker Maler, den Goethe wohl sehr verehrte).

Durch das romantische Müllerthal in der „Luxemburgischen Schweiz“ brachte unser Bus uns nach Echternach, der Stadt der berühmten Echternacher Springprozession. Unterwegs wurde einmal angehalten, weil die imposante Ruine der Burg Beaufort aus dem 12. Jahrhundert zu einem kurzen Besuch einlud. In Echternach besichtigten wir die eindrucksvolle romanische Basilika St. Willibrordus aus dem 11. Jahrhundert, die nach den schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg wieder originalgetreu aufgebaut wurde. In der karolingischen Krypta tief unter der Erde befindet sich das Grab des heiligen Willibrord. Dieser war ein angelsächsischer Missionar, der im 8. Jahrhundert das Kloster Echternach gründete.

Anschließend wurden wir an dem nahegelegenen Schloss Münsbach (Chȃteau de Munsbach) von den Luxemburger Rosenfreunden (Lëtzebuerger Rousefrënn) mit einem Crémant-Empfang begrüßt. Die Rosenfreundinnen und Rosenfreunde haben in dem Park von Schloss Münsbach einen Rosengarten angelegt, in dem alle in Luxemburg gezüchteten alten und neuen Rosen sowie Rosen mit unmittelbarem Bezug zu Luxemburg und Luxemburger Persönlichkeiten zurzeit aufgepflanzt werden.

So waren z.B. die karminrote ’Reine Marguerite d’Italie‘ von Soupert & Notting (1904) mit ihrem kräftigen Centifolien-Duft in schöner Blüte zu bewundern, oder die auf Lëtzebuergisch benannte zartrosa blühende ’Rousefrënn‘(‘Rosenfreund‘) von dem polnischen Züchter Stanislaw Zyla (2015) und viele andere. Die Geschäftsführerin der Luxemburgischen Rosengesellschaft, Nicole Trossen-Gilson, erklärte uns das ambitionierte Konzept des Rosengartens, wobei klar wurde, wie schwer es ist, alte und möglicherweise verschollene Rosensorten wieder ausfindig zu machen. Auch ist es nicht einfach, genügend freiwillige Helferinnen und Helfer für die anspruchsvolle Pflege einer solchen Anlage zu gewinnen.

Nicole Trossen-Gilson hatte uns auch für den nächsten Morgen in ihren Garten eingeladen, in dem wir nicht nur den Anblick wunderschöner Rosen, sondern auch noch einmal die sprichwörtliche „lëtzebuergerische“ Gastfreundschaft genießen durften. Nicole begleitete uns dann noch zu unserem nächsten Ziel, den französischen Terrassengärten von Schloss Ansembourg. Hier stand vor allem der neu gestaltete Rosengarten im Vordergrund, der durch gepflegte Rosenbögen beeindruckt. Der Rosengarten wird von einer Gruppe der Luxemburger Rosenfreunde noch weiter ausgebaut und gepflegt, das Schloss wird derzeit ebenfalls völlig restauriert. Der Park mit seinen zahlreichen Statuen und alten Brunnen ist insgesamt eine bedeutende Sehenswürdigkeit. Mit diesen schönen Eindrücken verabschiedeten wir uns von unserer liebenswerten und kompetenten Rosenfreundin und fuhren weiter nach Norden in die Wallonie in Belgien.

In den französischen Terrassengärten von Schloss Ansembourg
Rose 'Elegante Danseuse'

Dort liegt in der Nähe von Malmedy die interessante Rosenschule „Daniel Schmitz Roses“ (Les Roses de Daniel). Der Züchter vermarktet insbesondere die Rosen des australischen Züchters Warren Millington in Europa, aber besonderen Wert legt er auf seine eigenen Kreationen. Seine neuesten Erfolge sind ’Doux Secret‘ (2011), eine kleine Strauchrose (80 cm hoch) mit einer edelrosenartigen, reich gefüllten weißen Blüte, die einen feinen Duft von Jasminblüten verströmt. Oder ‘Elégante Danseuse‘ (2010), eine Strauchrose mit zahllosen einfachen pink-rosa Blüten, die sehr gut remontiert. Bekannt ist er auch für seine Sammlung und Vermehrung alter Rosen (Les Roses de Temps Passé). Daniel Schmitz gab uns Einblicke in seine Arbeit, die auf konsequent organischer Basis begründet ist und keine chemischen Mittel erlaubt. Nach einer intensiven Diskussion, bei der der Züchter noch das eine oder andere Geheimnis preisgab, mussten wir leider aufbrechen, damit wir unseren nächsten Standort, die alte Stadt Mechelen im Zentrum Belgiens, noch bei Tageslicht erreichen konnten.

Mechelen konnten wir bei einem informativen Rundgang mit einem sehr beredten und kundigen Stadtführer kennenlernen. Hier ist Ludwig van Beethoven, der Großvater des Komponisten Ludwig van Beethoven geboren. Zu den bedeutenden Baudenkmälern gehören die Sint-Rombouts-Kathedrale mit ihrem 98 m hohen, aber unvollendeten Glockenturm, alte Stadthäuser mit prächtigen Fassaden, teils aus dem 15. Jahrhundert, und die Beginenhöfe. Beginen waren christliche Gemeinschaften von Frauen, die in den Beginenhöfen zusammen lebten. Von Klostergemeinschaften unterschieden sie sich darin, dass die Frauen aus der Gemeinschaft ausscheiden und heiraten konnten. Die Gebäude sind von schlichter, ansprechender Architektur und bilden stimmungsvolle Ensembles.

Von Mechelen aus war der Rosengarten von Schloss Coloma leicht zu erreichen. Das Schloss, ursprünglich eine Burganlage aus dem 16. Jahrhundert, liegt in der Stadt Sint-Pieters-Leeuw. In dem weitläufigen Rosengarten sind allein 250 Rosensorten von belgischen Rosenzüchtern gepflanzt. Dort trafen wir Prof. Jos Rogiers von den Belgischen Rosenfreunden („Rozenvrienden“), der uns viel über die belgischen Rosenzüchter erzählte.

Der bekannteste von ihnen ist sicher Louis Lens, der durch seine zauberhaften Moschata-Hybriden wie die einmalige ‘Guirlande d’Amour‘ (1993) großen Ruhm erlangte. Die rosafarbene, gefüllte ’Walferdange‘ (1990) oder die schöne ’Bukavu‘ (1998), deren einfache Blüten in Kirschrot bis Karminrosa mit weißer Mitte von weitem auf sich aufmerksam machen, sind weitere Berühmtheiten aus seiner großen Kollektion schöner Rosen.

Rose 'Europa Nostra'

Ein ebenfalls bekannter Züchter in Belgien ist Martin Vissers (VIVA International), der mit seiner weißblühenden ’Europa Nostra‘ (2010) und der halbgefüllten hellgelben ’Coloma‘ (2015) vertreten ist. Nicht fehlen durften auch die Rosen von Delforge wie ’Trocadero‘ (1989), eine rote Teehybride mit gelbem Unterton. Neben den Rosen der belgischen Züchter und einheimischen Wildrosen gibt es im Internationalen Rosengarten Züchtungen aus aller Welt zu sehen. Außergewöhnliche Rosensorten aus China und Japan sowie interessante Zusammenstellungen von Stammrosen und Kletterrosen machten den Besuch in diesem schönen Schlossgarten zu einem traumhaften Erlebnis, das nur durch ein schnell aufziehendes Gewitter abrupt beendet wurde.

Auch in Belgien gibt es natürlich Prüfgärten für Rosenneuheiten - wie der Prüfgarten auf dem Beutig in Baden-Baden - in denen neugezüchtete Rosen über drei Jahre von einer Experten-Jury geprüft und bewertet werden. Wir besuchten den Prüfgarten in Le Roeulx, in dem jedes Jahr ein Internationaler Neuheitenwettbewerb ausgetragen wird. Vom Bürgermeister der reizenden Stadt wurden wir offiziell begrüßt und in die Geschichte der Stadt und des Rosenprüfgartens eingeführt. Das Besondere dieses Wettbewerbes ist, dass er üblicherweise Anfang September stattfindet, wenn der zweite Flor beurteilt werden kann. Eine Prüfung zu diesem Zeitpunkt ist insofern aussagekräftiger, weil dann vor allem die Blattgesundheit der Rosen, also ihre Resistenz gegen Pilzinfektionen, deutlich erkennbar ist. Aus den Ergebnissen des Wettbewerbs von 2016 konnten wir sehen, dass neben Rosen von Züchtern aus Belgien (Lens, Vissers) viele Rosen französischer Züchter prämiert wurden (Meilland, Laperriere, Adam) aber auch neueste Kreationen von Kordes und Tantau. Mit einer Einladung zu einer Verkostung der bekannten „Champagner-Biere“ aus der hauseigenen Brauerei des Bürgermeisters wurde dieser informative und erlebnisreiche Besuch beendet.

Am nächsten Morgen stand eine Besichtigung des äußerst interessanten Rosengartens von Luc van Esser in dem kleinen Dorf Geistingen auf unserem Programm. Der rund 7.000 m2 große Privatgarten beinhaltet etwa 3.500 Rosensorten, überwiegend ADR-Rosen, und nennt sich nicht ohne Stolz „Internationales ADR Rosarium Geistinger Landhoff“. Der Rosengärtner Luc van Esser pflegt und bewirtschaftet seine grandiose Rosensammlung weitgehend alleine! Aufgrund der Zusammenstellung von krankheitsresistenten Sorten mit dem ADR-Prädikat kann die romantische und natürlich wirkende Anlage grundsätzlich biologisch, also ohne Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bearbeitet werden. Ein Teil der biologischen Schutzmaßnahmen, eine freilaufende, emsige Hühnerschar, begleitete uns bei unserem Besuch auf Schritt und Tritt. Die Rosen machten einen äußerst kräftigen und gesunden Eindruck, ihr überquellender Flor rief ständig große Begeisterung hervor. Kletterrosen sind an Rosenbögen aus hochgewachsenen Weidenruten aufgebunden und verstärken den naturbelassenen Eindruck.

Da überwiegend Rosen eingesetzt werden, die das ADR-Siegel tragen, konzentriert sich die Rosensammlung auf Züchtungen von Noack, Kordes, Tantau und Meilland, aber auch Sorten wie die schöne ’Europa Nostra‘ von Vissers oder die Rugosa-Hybride ’Rote Hannover‘ des holländischen Züchters Kraan trifft man hier. Wir hätten uns noch viel länger mit Luc van Esser austauschen wollen, der voller Enthusiasmus - und ohne über die viele und schwere Arbeit zu klagen - von seinem Lebenswerk erzählte. Doch nach gut zwei Stunden Aufenthalt mussten wir uns, wenn auch ungern, verabschieden, denn ein weiteres schönes Erlebnis wartete schon auf uns.

Das Rosarium Vrijbroek, unser nächstes Ziel, liegt am Stadtrand von Mechelen. Es ist Teil eines ausgedehnten Landschaftsparks, der allerdings auf einem Gelände angelegt wurde, das durch einen sehr hohen Grundwasserspiegel für Rosen nicht ganz unproblematisch ist. Dennoch waren die Rosen in einem sehr guten Zustand, so dass es nicht verwundert, dass der Rosengarten im Jahr 2003 von der Weltrosengesellschaft mit dem „Award of Garden Excellence“ ausgezeichnet wurde. Zur Begrüßung wurden wir mit selbstgemachtem Roseneis und Getränken gestärkt, bevor wir uns aufmachten, um den ausgedehnten Park zu erkunden. Unsere fachkundige und charmante Rosen-Führerin Sonja Deneve machte uns mit vielen Details der Entstehung der gesamten Anlage vertraut und erklärte die Bedeutung dieses mit 50 ha riesigen Parks für die Bevölkerung der näheren und weiteren Umgebung. Wir konnten viele wunderbare Rosen entdecken, die in anderen Rosengärten nicht häufig zu finden sind. So sind etwa wichtige Persönlichkeiten der Rosenwelt hier anzutreffen, wie z.B. die Floribundarose ’André Brichet‘ (DVP 2003) oder die zauberhafte Teehybride ’Hélène de Gerlache‘ (Lens 1982). Aber auch viele ältere Züchtungen wie die Teehybriden ’Tiffany‘ (Lindquist 1953) oder ’Grange Colombe‘ (Guillot 1912) konnten bestaunt werden. Ein wichtiger Aspekt in diesem Rosengarten ist die gelungene Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Gartenrosen, deren bedeutende Repräsentanten in einem separaten Bereich zusammengepflanzt sind. Hier können sich rosenbegeisterte Besucher anhand gut ausgewählter Beispiele ein Bild der von vielen Zufällen bedingten langen Geschichte unserer modernen Rosen machen.

Rudy und Ann Velle-Boudolf

Am folgenden Morgen schlug die Stunde der Frühaufsteher, denn wir hatten eine lange Fahrt vor uns. Unser Tagesziel lag weit im Westen Belgiens, zwischen Brügge und Ostende, fast an der Kanal-Küste. Dort, in der kleinen Ortschaft Oudenburg, liegt die Rosenschule von Louis Lens (Lens Roses), sicher der bekannteste unter Belgiens Rosenzüchtern. Sein Betrieb wurde inzwischen von Rudy und Ann Velle-Boudolf übernommen, die ihrerseits große Erfolgsrosen herausbrachten wie ’Dinky‘ (2002), eine tief pinkfarbene, gefüllte Strauchrose, mit der die jungen Züchter auf einen Schlag berühmt wurden. Die bekannten Rosenzüchter hatten sich freundlicherweise bereitgefunden, uns sogar persönlich am Sonntag zu empfangen, damit wir ihren weltbekannten Betrieb und die neuesten Kreationen ihrer Züchtungsarbeit besichtigen konnten.

Seit dem Erfolg mit ‘Dinky‘ brachten sie eine ganze Reihe von erfolgreichen Rosensorten heraus, wobei der Schwerpunkt auf den Moschata-Hybriden liegt. Besonders begeisterte uns die aparte ’Edouard Vermeulen‘ (2014), die mit ihrem ungewöhnlichen Farbspiel von Zart-Lila bis Pink mit einem Hauch von Altrosa und einem feinen Duft auffiel. Sie war zu Ehren eines bekannten Couturiers und Hoflieferanten getauft worden. Auch die schöne ’Stephanie d’Ursel‘ (2015) wurde wegen ihrer cremeweißen Blüten mit leuchtend gelbem Herz sehr bewundert. Die zauberhafte rosarote ’Eilike‘, die 2013 in Sangerhausen im Rahmen der internationalen „Heritage Conference“ zu Ehren unserer Rosenexpertin Eilike Vemmer getauft wurde, konnten wir leider in dem weitläufigen Gelände nicht finden. Ann Velle-Boudolf, die durch ihre engen Verbindungen mit der GRF e.V. regelmäßig nach Deutschland kommt, gab uns zu allen Fragen ausführlich Auskunft. Gestärkt mit einem wunderbaren Picknick konnten wir uns dann wieder auf den Weg machen. Aber natürlich durfte diese außergewöhnliche Gelegenheit nicht ungenutzt bleiben, so dass von den neuesten Containerrosen eingepackt wurde, was das Gepäckfach des Busses fassen konnte und feinster Rosenduft uns auf der Weiterfahrt begleitete.

Nach diesem wunderbaren Eindruck vom aktuellen Stand der Rosenzüchtung in Belgien nutzten wir natürlich die Gelegenheit zu einem Besuch in der malerischen Stadt Brügge, die gewissermaßen gleich nebenan gelegen war. Bei einer unterhaltsamen Stadtführung lernten wir den hervorragend erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern kennen (seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe) und genossen die Atmosphäre an den romantischen Grachten. Selbstverständlich durften wir einen Blick auf die „Brügger Madonna“ im Liebfrauendom nicht versäumen, stellt sie doch die einzige Marmorstatue von Michelangelo nördlich der Alpen dar. Die im Gegensatz zu klassischen Mariendarstellungen sitzende Madonna mit dem stehenden Jesuskind im Arm ist in ihrer Vollkommenheit ein tief berührendes Erlebnis.

Es war kaum zu glauben, wie schnell die letzten Tage vergangen waren! Denn am nächsten Morgen, inzwischen war schon der Samstag gekommen, begann unser letzter Reisetag. Nun mussten wir uns schweren Herzens auf die Heimreise machen. Doch dieser Tag bot noch zwei wunderbare Höhepunkte. Auf Vermittlung unserer Rosenfreundin Countess Henrianne de Briey, Vize-Präsidentin der Weltrosengesellschaft (WFRS) für Westeuropa und Mitglied der Königlichen und Nationalen Rosengesellschaft „Rosa Belgica“, hatten wir die Erlaubnis erhalten, die Gartenanlagen von „Kasteel Hex“ ausnahmsweise zu besichtigen, obwohl dies üblicherweise am Samstag nicht möglich ist. Das Sommer- und Jagdschloss Hex wurde am Ende des 18. Jahrhunderts von dem Lütticher Prinz-Bischof von Vellbrück erbaut. Heute ist es im Besitz der Familie d’Ursel. Es liegt in einem riesigen Landschaftspark, in dem besonders die großzügigen französischen Gartenanlagen mit einem eindrucksvollen Rosengarten für uns von Interesse waren. Der Rosengarten wurde im Jahr 2003 von der Weltrosengesellschaft mit dem „Award of Garden Excellence“ ausgezeichnet. Lens-Rosen in großer Zahl, einheimische Wildrosen (die natürlich schon verblüht waren) und viele Historische Rosen machen die um das Schloss gruppierten Anlagen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Unser Reiseführer machte uns mit vielen Details der Geschichte des Schlosses vertraut, und am Ende unseres Besuches wurden wir sogar noch vom Schlossherrn, Graf Ghislain d’Ursel, persönlich begrüßt. Aber das war noch nicht das Ende unserer Reise, denn Henrianne de Briey hatte uns zu einem Lunch auf ihr nahe gelegenes Landschloss eingeladen. Dort wurden wir von ihr persönlich auf das Feinste bewirtet und genossen im Innenhof des Gutes unter strahlender Sonne und mit Blick auf den schönen Rosengarten die eigenhändig vorbereiteten Köstlichkeiten aus der Küche (und natürlich auch aus dem Weinkeller). Derart verwöhnt und beschwingt fiel uns der Abschied schwer, aber es musste letztendlich doch sein, denn am Abend sollten ja alle Reiseteilnehmer rechtzeitig wieder in Frankfurt sein, um entweder direkt nach Hause zu kommen oder noch eine Nacht im Hotel zu verbringen.

Zu danken ist an dieser Stelle Herrn Joachim Slanina, unserem aufmerksamen und zuverlässigen Busfahrer, der keine Mühe gescheut hat, um uns selbst an völlig abgelegene Ziele zu bringen. Seine absolut souveräne und besonnene Fahrweise ließ uns unterwegs völlig vergessen, dass wir nicht zu Hause im Sessel saßen, sondern uns auf engen Straßen oder schnellen Autobahnen bewegten. Unserer Reiseleiterin, Frau Konstanze Ruge, danken wir ganz besonders für diese tolle Reise. Sie hat alle unsere Wünsche aufgegriffen und großartig umgesetzt, selbst wenn deshalb das Programm bis fast zum letzten Tag vor der Abreise noch modifiziert werden musste. In diesen wenigen Tagen erlebten wir so viele wunderbare Begegnungen mit den Rosenfreunden in Luxemburg und Belgien und nahmen traumhafte Erinnerungen an die herrlichen Rosengärten mit nach Hause. Diese außergewöhnliche Reise wird sicher uns allen noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.

Hans-Peter Mühlbach und Hanny Tantau