27. Kasseler Rundgespräch in Zweibrücken

Vor vier Jahren fragte mich Herr Hübscher, ob das Kasseler Rundgespräch 2014 zur 100-Jahrfeier des Rosengartens Zweibrücken stattfinden könne. Da auch in der GRF e.V. beschlossen wurde, den Rosenkongress zu diesem Zeitpunkt in Zweibrücken durchzuführen und Frau Stauch ein sehr schönes Programm vorschlug, blieb nur übrig, das Kasseler Rundgespräch mit anderen Programmpunkten parallel laufen zu lassen. So mussten sich die Rosenfreunde entscheiden, ob sie an dem wirklich verlockenden Programm des Rosenkongresses oder den Vorträgen und Diskussionen des Kasseler Rundgesprächs teilnehmen wollten.

Das Kasseler Rundgespräch "Rosen des 21. Jahrhunderts" setzte sich aus zwei Themengruppen zusammen. Am Samstagnachmittag hatten wir das Glück, vier hervorragende, lebhafte Referenten zu dem ersten Thema zu hören:

Wie sieht die Zukunft unserer Gartenrosen aus

Bild: GRF e.V.

Dr. Reinhard Witt aus der Naturgartenbewegung und Heiko Hübscher vom Rosengarten Zweibrücken, der dort mehr den allgemeinen Besuchergeschmack erlebt und befriedigen muss, stellten ihre Sicht zu den Rosen der Zukunft vor und zu den Rosen, die ihre Erwartungen bereits erfüllten. Es ging auch darum, was wir Rosenfreunde erwarten? Was wollen wir mehr als die große Masse der Käufer?

Die Antworten zu den Wünschen und Möglichkeiten zukünftiger Rosen gaben Thomas Proll, Zuchtleiter der Firma W. Kordes' Söhne, und Armin Eßer von BKN Strobel. Herr Eßer ist zwar kein Züchter, die Meilland-Rosen entstehen in Südfrankreich, werden aber dann durch ihn in Schleswig-Holstein über Jahre getestet und ausgelesen, ehe sie in Deutschland in den Handel kommen.

Als Rosenfreund muss man sich immer wieder klar machen, dass wir Rosenfreunde zwar von den Züchtern ernst genommen und beachtet werden, aber nur eine ganz geringe Käuferschicht sind. Die Züchter erfüllen unsere Wünsche nach gesunden Rosen für fast alle Gartensituationen, aber der Markt diktiert, welche Rosen in den Handel kommen und sich dort halten. Die Masse der Kunden wünscht große, gefüllte, duftende Blüten möglichst in Trendfarben und kauft impulsiv die Rosen, die im Augenblick des Kaufes im Container ins Auge stechen, ohne sich um Gesundheit und Wuchs der Rose zu kümmern. Die Aufgabe von uns Rosenfreunden ist immer wieder, uns selbst zu informieren und als Multiplikatoren unser Wissen an möglichst viele Rosenkäufer weiterzugeben.

Welche Möglichkeiten gibt es für Rosenfreunde, sich über Rosen zu informieren?

Hartmut Brinkmann Bild: GRF/H.Oehring

Klaus-Jürgen Strobel gab am Sonntagvormittag eine Einführung zur Geschichte und Entwicklung von Rosenkatalogen. Ihm verdanken wir seit Beginn der 1990er-Jahre das Sternchensystem zur Gesundheit der Rosensorten, das sich in Deutschland in fast allen Katalogen durchgesetzt hat. Eine breite Podiumsdiskussion über Kataloge folgte mit Hella Brumme, Armin Eßer, Gerd Hartung, Heiko Hübscher, Thomas Proll, Klaus-Jürgen Strobel und Eilike Vemmer unter Leitung von Hartmut Brinkmann. Rosenkäufer, Rosenanbieter und die Rundgesprächsteilnehmer diskutierten miteinander Fragen zur Einteilung von Rosengruppen, Rosenverwendung, Wuchshöhenangaben, dem Sternchensystem und dem ADR-Prädikat. 

Der Inhalt der Kataloge wird in den meisten Fällen von den Verkaufsabteilungen der Firmen bestimmt. Jede Rosenschule möchte ihre Rosen verkaufen und preist sie an. Dadurch, aber auch durch die unterschiedlichen klimatischen Standorte, ist es schwierig, unter den Firmen ein wirklich vergleichbares System für die Gesundheit herzustellen. Wenn eine renommierte Firma allerdings von einer Rose schreibt, sie sei zu 100% resistent gegen Pilzkrankheiten, so ruft dies selbst bei Laien Zweifel hervor. 

Nicht alle vorgesehenen Fragen konnten in der kurzen Zeit diskutiert werden. Zur Information über Rosen sind nicht nur die Rosenschulen gefragt, sondern auch der Sachverstand der Rosenfreunde. Wir haben laut Satzung der GRF e.V. die Verpflichtung, andere über Rosen und Rosenpflege zu unterrichten. Hartmut Brinkmann berichtete über Formen der Rosenberatung, Tagesseminare, Schnittkurse und ähnliches, die sich bewährt haben. Viele Teilnehmer waren interessiert an einer von Hartmut Brinkmann und Eilike Vemmer entwickelten Liste mit den häufigsten Fragen bei Rosenberatungen und kurzen Antworten dazu. Beide bieten dazu auch ein Seminar an, das Rosenfreundeskreise nutzen sollten. Nach einem Schlusswort von Klaus-Jürgen Strobel lud Eilike Vemmer zum 28. Kasseler Rundgespräch - "150 Jahre Edelrosenzucht, von 'La France' über 'Gloria Dei' bis zu modernen Edelrosen" - vom 4.-6. September 2015 nach Hannover in das Bundessortenamt ein.

Eilike Vemmer