28. Kasseler Rundgespräch in Hannover

Zum 28. Kasseler Rundgespräch 2015 hatte die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde zu ihrer Fortbildungsveranstaltung vom 04. bis 06. September ins Bundessortenamt (BSA) in Hannover eingeladen. Es stand unter dem Motto:

150 Jahre Edelrosenzucht „Von ´La France´
über ´Gloria Dei´ bis zu modernen Edelrosen“.

Eine gelungene Wahl war der Veranstaltungsort, denn das BSA ist eine selbstständige Bundesoberbehörde, die für die Zulassung und den Sortenschutz von Pflanzensorten und die damit zusammenhängenden Angelegenheiten zuständig ist. Hier wird als zentrale Prüfstelle die Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung (ADR) koordiniert. Das Programm beinhaltete, was sich innerhalb der 150 Jahre in der Edelrosenzucht verändert hat, welche neuen Prioritäten im Vordergrund stehen. Diese betreffen heutzutage u.a. die Blattgesundheit, die Winterhärte, ihre Reichblütigkeit, die Wirkung der Blüte, ihr Duft und ihre Wuchsform.

Einen Bogen über 150 Jahre in der Rosenzucht spannte Frau Eilike Vemmer in Wort und Bild. Sie konkretisierte auch den Begriff der Edelrose, die früher Teehybriden genannt wurden. Für diesen alten Begriff steht seit 1867 die Zufalls-Sorte „La France“. Frau Hella Brumme arbeitete heraus, dass es schon davor in einer Übergangsphase Teehybriden gab. Liefen anfangs die Züchtungen der Edelrosen über die zufällige natürliche Wahl der Kreuzungspartner durch Wind, so machte sie darauf aufmerksam, dass es das Verdienst von Jean Sisley (Lyon) und Henry Bennet (Stapleford) ist, seinerzeit auf eine künstliche Befruchtung übergegangen zu sein.

Frau Eilike Vemmer berichtete darüber, wie schließlich die „Gloria Dei“ in der Rosenzucht neue Aspekte setzte. Sie wurde 1939 durch Francis Meilland (Tassin bei Lyon) gezüchtet und nahm als eine beliebte Rosensorte ab 1945 bis heute ihren Weg in alle deutschen Gärten. Viele Teehybriden hatten ab 1929 in der Züchtung zunehmend an Duft, zu Gunsten von Farbe und Form der Blüte verloren. Später in den 1990er Jahren verlor die Edelrose in vielen Fällen ihr Aussehen bzgl. langer, aufrechter Triebe mit einer großen, schlanken Blüte. Es kamen buschigere, gesündere Sorten mit zum Teil nostalgischen Blüten auf den Markt. Heutige Edelrosen blühen oft in der ersten Blüte mit einzelnen Blumen an den Stängeln, während sie in der zweiten Blüte dann eher büschelblütig sind. Eine Trennung in der Züchtung zwischen Schnittrosen und Gartenrosen erfolgte erst 1960.

In die Maßstäbe der Züchtung neuer Edelrosen greifen die Maßstäbe der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR). Über die entsprechenden Rahmenbedingungen und Zielsetzungen der ADR berichtete der zuständige Referatsleiter Dr. Burkhard Spellerberg mit praxisnahen Beiträgen und der Vorstellung von Versuchsfeldern in Hannover. Doch er wies auch darauf hin, dass es einige Rosen gibt, die nicht das ADR-Prädikat erhalten haben, oder erst gar nicht in der ADR-Prü-fung waren, und durchaus sehr empfehlenswerte Edelrosen sein können.

Einen Einblick in die Edelrosen-Züchtungen der ehemaligen DDR gab Dr. Eckart Haenchen. Staatliche Eingriffe reglementierten diese bis Mitte der sechziger Jahre, so dass das Sortiment entsprechend veraltete. Fortschritte machte die Züchtung der Rosen in der DDR späterhin durch das VEG Baumschulen Dresden, die eng mit dem Namen Dr. Haenichen verbunden sind. Des Weiteren waren Walter Berger und seine Frau Anni aus der GPG „Roter Oktober“ in Bad Langensalza erfolgreiche Züchter. Interessanterweise beschritt man in der DDR den Weg zu neuen Sorten über die in-vitro-Vermehrung (Strahleninduzierte Mutanten). So blickt man auf 52 in der DDR gezüchtete Edelrosen zurück, die z,T. noch heute in der Vermehrung sind.

Zum Abschluss der Veranstaltung kamen die Rosenzüchter Noack, Tantau und Kordes zu Wort. Sie sprachen über die aktuellen Zuchtziele, die vor allem die Blattgesundheit und Winterhärte, sowie den Duft betreffen. Reinhard Noack (Noack Rosen) berichtete darüber hinaus, dass es neben der Vermehrung durch Veredlung auch eine über Stecklinge erfolgreich sein kann. Thomas Löffler (Tantau Rosen) wiederum sprach auch zu dem Thema, wie weltweit die Schnittrosenproduktion von Edelrosen kommerzialisiert ist. Von Thomas Proll (W. Kordes´ Söhne) war zu vernehmen, dass Kordes sein Edelrosensortiment unter dem Aspekt von Blattgesundheit radikal verschlankt, da der Einsatz von Spritzmittel im Hausgarten nicht mehr zeitgemäß ist.

Das 28. Kasseler Rundgespräch wurde ein letztes Mal von Eilike Vemmer geleitet und von Klaus-Jürgen Strobel moderiert. Ab kommendem Jahr liegt das Kasseler Rundgespräch in den Händen von Dorothea Jungen. Als Veranstaltungsort ist Dortmund vorgesehen.

Dr. Jürgen Schwarzl