Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

man kann es nicht oft genug sagen: Öfterblühende Rosen werden erst, wirklich erst dann geschnitten, wenn die Forsythien blühen.

Das hat nichts mit einem nett dekoriertem Arbeitsplatz im Freien zu tun, sondern mit dem Entwicklungsstand der Natur. Forsythien sind die Zeigerpflanzen, die den Beginn des Erstfrühlings markieren. Auch wenn es im Folgenden noch frieren kann, fallen die nun noch auftretenden Fröste kaum noch so aus, dass sie die modernen Gartenrosen gefährden können.

Wer früher schneidet riskiert, dass sich Austriebe strecken, die eigentlich ideal sind um die Pflanze neu aufzubauen. Es sind aber gerade diese jungen, weichen Austriebe, die frostanfällig sind und stark geschädigt werden können. Und keine Sorge, wenn schon obere Augen treiben. Im Gegenteil! Sie werden eh zurückgeschnitten und hemmen mit ihrem Austrieb darunter liegende, noch schlafende Augen. Genau genommen sind sie eine Art Frostschutz für den wir dankbar sein können. Da sie in erster Linie von Reservestoffen aus der unmittelbar umgebenen Rinde versorgt werden, schwächen sie die Pflanze – wenn überhaupt – nur gering.

Schwarzes Holz wegschneiden

Zuallererst prüfen wir, ob strenge Fröste im Winter Triebe abgetötet haben. Man erkennt totes Holz, entweder wenn es sich schwarz verfärbt hat, oder sehr trocken ist. Im Zweifelsfall hilft die Rinden-Ritz-Probe oder ein gestaffelter Rückschnitt. Zeigt sich zwischen Holz und Rinde eine grüne Zone, ist der Trieb in Ordnung. Ist diese Zone braun, ist sie abgestorben. Geben Sie eine anscheinend erfrorene Rose nie zu früh auf. Ist sie tief genug gepflanzt – also ist die Veredlungsstelle gut mit Erde bedeckt – kann sie aus dem Boden noch einmal austreiben. Zuweilen aus Augen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann, weil sie in dickem Holz der Basis verborgen sind. So manche erfroren geglaubte Rose hat sich wieder aufgebaut – wenn auch stark verzögert. Denn tief sitzende und tief schlafende Augen werden oft erst im Mai munter.

Schnitt fordert, Schnitt fördert

Ziel und Zweck des Rückschnittes öfter blühender Rosen ist, einen kräftigen Neuaustrieb hervor zu rufen. Die jungen Triebe müssen genug Platz haben um „von Luft umspült“ zu werden ohne dass die Pflanzen schütter wirken. 

Den – wortwörtlichen – Ausschlag gibt die Wuchsform der Rosenklasse und die Wuchskraft einer Rosensorte sowie die Vitalität der konkreten Pflanze. Wuchsstarke, gut stehende Pflanzen buschiger Rosenklassen, etwa von Zwerg-, Beet- und Edelrosen, werden auf fünf bis sieben Augen pro Trieb zurückgeschnitten. Schwächer wachsenden oder nicht ideal stehenden Rosen belässt man zwei, höchstens drei Augen. oder in ihrer Vitalität nachlassende Rosen werden auf zwei bis drei Augen geschnitten. Wohin das obere Auge zeigt, ob nach innen oder außen, ist nach meinen Erfahrungen ohne Bedeutung, das wächst sich zurecht. Hauptsache die verbleibenden Triebe stehen nicht zu eng. 

Öfter blühende Strauchrosen behandelt man ebenso, belässt ihnen aber ein stabiles, tragendes Gerüst und arbeitet in den Verzweigungen etwa ab Hüfthöhe. Die höchste Blütendichte erreichen Sie, wenn jeder Seitentrieb der Haupttriebe auf drei bis fünf Augen eingekürzt wird. Entfernen Sie niemals zu viele Austriebe, die aus dem Boden entspringen, denn das Wegschneiden der jungen Triebe und Verbleiben führt zur schleichenden Vergreisung der Rose. Prinzipiell gilt gleiches für öfter blühende Kletterrosen, wenn auch hier ein noch höheres Gerüst belassen wird. 

Der Schnitt der auf Stamm veredelten Rose hat zusätzlich eine gleichmäßige, lockere Krone als Ziel. Der Schnitt wird bei den aufrechten Sorten auch etwas kürzer angesetzt, hier achte ich stets darauf, dass die obersten Augen nach außen weisen. 

Apfelblüte (Noack) als Kletterrose geschnitten und gewickelt. Bild: Heiko Hübscher
Im Sommer steht die Rose 'Apfelblüte' in voller Blüte. Einfach toll anzuschauen, oder? Bild: Heiko Hübscher

Düngen ist ein Kinderspiel

Betreten Sie die Beete möglichst nicht, wenn der Boden nass ist wie ein Schwamm. Nur zu leicht verdichten Sie durch Tritte besonders die an sich rosengeeigneten gehaltvollen Böden. Sollte sich das nicht umgehen lassen, setzen Sie Ihre Schritte maßvoll. Auf jeden Fall wird der Boden nach dem Schnitt und Düngen noch einmal mit der Rosengabel aufgelockert. Das geschieht buchstäblich im Handumdrehen indem man die zweizinkige Gabel knapp 20 Zentimeter tief in den Boden einsteckt und um die Achse des Stieles dreht.

Als Dünger hat sich Depotdünger in einer organisch-mineralischen Mischung sehr bewährt. Die Verteilung der Nährstoffe bewegt sich möglichst in folgendem Rahmen: Stickstoff (N) nicht über 7-8 %, Phosphor (P) nicht über 3-4 % und der Kali (K) bei 4-10 % liegen. Reiner Blaukorndünger ist ebenso fehl am Platze wie reiner Kompost. Verwenden Sie besser handelsüblichen Rosendünger und halten sich an die Mengenangaben auf der Packung. Viel hilft viel – aber leider wirklich nur den Pilzkrankheiten! Überdüngen leistet einem sehr raschen Wuchs Vorschub bei dem weiche Zellwände das Resultat sind … und die laden allerlei Befall geradezu ein. 

Übrigens: Bodenaktivator ist eine ausgezeichnete Zutat zum Dünger, der das Bodenleben, wie der Produktname verspricht, bestens anregt. 

Sonderfall Neupflanzungen
Sowohl beim Schnitt, als auch beim Düngen werden im Herbst oder noch im Frühling gesetzte Rosen anders behandelt als die länger stehenden Pflanzen. Ein Düngen entfällt völlig – Bodenaktivator ist aber dennoch empfehlenswert. Und beim Schnitt kann man es sich sehr leicht machen und alles, was aus dem Boden herausschaut (wir pflanzen die Veredlungsstelle mindestens 5 Zentimeter unter die Bodenoberfläche) wird weggeschnitten. Nach unserer Erfahrung bauen sich die neuen Pflanzen durch die entstehenden Bodentriebe bestens kraftvoll auf. 

Mulchen unnötig! 

Noch ein Wort zum Mulchen im Rosengarten. Was sich für Gemüsebeete eignet oder auch unter den üblichen Ziersträuchern angebracht sein und ausgebracht werden kann, ist für die Rosen nicht erforderlich. Sie lieben einen offenen Boden. Versuche belegten, dass Mulchauflagen nur in den ersten Jahren etwas (!) stärkeres Wachstum bewirkten, aber die Rosen dazu neigten, flachere Wurzelsysteme auszubilden. Sowas rächt sich in trockenen Sommern und sollten wir wieder so eine Großwetterlage bekommen die nur wenig Niederschläge liefert, leiden entweder die Rosen, oder unsere Rücken vom Wasserschleppen bzw. unser Portmonnaie beim Bezahlen der Wasserrechnung. Sparen Sie sich also das Mulchen bei den Rosen und packen gehäckselte Gartenabfälle besser auf andere Beete. 

Seien Sie mutig.

Ihr Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken

Kommen Sie doch mal in den Rosengarten Zweibrücken