Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

Bitte halten Sie bis zur Blüte der Forsythie die Schere noch ruhig. Erst dann ist ein Rosenschnitt angesagt. Und halten wir uns noch einmal vor Augen, welche Ziele wir beim Rosenschnitt verfolgen: Auslichten – verjüngen - Blütenbildung fördern!

Schneiden Sie ruhig waagrecht über der Knospe ab – das oft empfohlene schräge Ansetzen der Schere bringt keine wirklichen Vorteile. Die Wunde ist klein, meist trocknet sie auch schnell ab und der Rosentrieb steht sowieso schief; die oft beschworene Gefahr, dass die Wunde fault ist meiner Erfahrung nach nicht relevant.

Zwei Jahres-Rhythmus

Über welcher Knospe wird geschnitten? Das ist ganz einfach! Wir haben uns im Rosengarten Zweibrücken eine Verjüngung der Beet- und Edelrosen im Zweijahres-Rhythmus angewöhnt. Zuerst die Verjüngung in dem einen Jahr: Alle schwachen Triebe, die im letzten Jahr nichts gebracht haben, werden bodeneben bzw. unter dem Bodenniveau entfernt. Alle kräftigen Triebe nehmen wir auf drei bis vier Zentimeter über Bodenniveau zurück. Jetzt stört kein „Altholz“ einen frischen Austrieb. Es entstehen auch keine unschönen „Geweihansätze“. Die Rose wird sich in Sommer äußerst gesund und jugendlich präsentieren.

Im zweiten Jahr erfolgt ein gemäßigter Schnitt: Wie vorher, werden auch hier alle Triebe die im Vorjahr nichts gebracht haben, vollständig entfernt. Die werden einfach nicht besser. Danach lassen wir aber deutlich mehr stehen. Zehn bis fünfzehn Zentimeter der guten, kräftigen, einjährigen Triebe aus dem Vorjahr bleiben stehen. Das sind dann, wenn man mal nachzählt, sechs bis acht Augen (Knospen) am verbleibenden Triebstück. Die Rose zeigt sich im Sommer dann kräftig, buschig mit zahlreichen Seitentrieben. Eine Rose im besten Alter. Kräftige Wurzel, junges Holz mit vielen Blatt und Blütenknospen.

Kleinstrauchrosen auf einjähriges Holz

Die Kleinstrauchrosen („Bodendecker“) behandeln wir dagegen jedes Jahr gleich. Das einjährige Holz des Spätsommers, jene überlangen Triebe, bleiben mit dreißig bis vierzig Zentimeter Länge erhalten. Alles andere kommt ab. Die Rose ist dann sehr übersichtlich, schließt das Beet aber sehr schnell und wird eine überwältigende Blütenfülle hervorbringen. Sie werden deutlich „fülliger“. Vorteil, man braucht auch weniger Pflanzen, um ein schönes Beet zu gestalten. Strauchrosen formen Strauchrosen, meine Lieblingsrosen, brauchen einige Jahre bis sie eine schöne Gestalt entwickeln. Das ist jetzt schwer zu beschreiben. Einen älteren Trieb am Boden weg, und die anderen, vitalen als Knospenträger, wie ein vielteiliges Hirschgeweih aufbauen. Der Schnitt verfolgt also zwei Ziele: Kurze Blütentriebe an den Haupttrieben zu produzieren und eine fortlaufende, leichte Verjüngung aus dem Boden zu fördern. Eine Höhenbegrenzung ist auch nötig, da sie sonst sehr schnell vom Boden her die Seitentriebe verlieren. Rosen unterhalten keine Blätter im Dauerschatten. Die Höhenbegrenzung erfolgt durch den Rückschnitt der langen „Spätsommerpeitschen“ auf zehn bis fünfzehn Länge. Dabei können Sie ruhig die obersten zwei Ansätze komplett entfernen.

Links sieht man eine Kleinstrauchrose vor dem Schnitt – rechts danach.
Sie ist auf junge Vorjahrestriebe ausgedünnt und wird im Sommer sehr reich Blüten ansetzen. 

Kletterrosen mit Augenmaß

Die Kletterrosen hat vorausschauende Verjüngung einen noch höheren Stellenwert als bei den Strauchrosen. Es ist immer schade, wenn, nach Jahrzehnten der Scherenabstinenz, solch eine Fassadenzier mit einem Mal zurückgeschnitten werden muss. Auch bei einer eingewachsenen Kletterrose, die ihre Fläche bedeckt hat, muss ab und an ein Haupttrieb bodennah entfernt werden, um einen vitalen jungen Austrieb auf Bodenhöhe anzuregen. Spätestens für diesen Schnitt sollte die ganze Rose von der Kletterhilfe abgenommen werden. Die anschließende Neuformierung ist dadurch viel leichter zu bewerkstelligen. Was wird immer geschnitten? An den zukünftig blütentragenden, kurzen Seitentrieben verbleiben ein bis drei Knospen. Im milden Rheinklima wird kurz geschnitten, wir in Zweibrücken schneiden auf drei Knospen, da ein Spätfrost sich dann nicht so fatal auswirken kann.

Ihr 
Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken