Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

seien Sie auf alles gefasst.

Die Witterungsverläufe sind ja für alle spürbar in den letzten Jahren immer unberechenbarer geworden. Insofern ist es ratsam, sich auf alles gefasst zu machen, denn selbst nach einem milden Dezember und Januar können strenge Fröste auftreten, gegen die ein Rosengarten gewappnet sein sollte. Unterschätzen Sie dabei nicht die zuweilen starken Schwankungen von Sonnenstrahlung und Kälte oder Winde, die mit Pech zu einer Wintertrocknis führen können.

Zuerst einmal können allzu lange Triebe sämtlicher Rosenklassen etwas eingekürzt werden. Das hat nichts mit einem „ordentlichen Bild“ zu tun, auch wenn es dazu beitragen soll. Der Sinn ist, dass zu lange laxe Triebe nicht von Stürmen gebeutelt werden können und an Stellen brechen oder ausreißen, an denen das für die Pflanzen ungünstig ist.

Beetrosen werden in Gegenden in denen strenge Fröste ohne Schnee erwartet werden müssen, mit etwa 3 Litern zusätzlicher Erde angehäufelt, damit die unteren Triebzonen Wind und Wetter nicht offen ausgesetzt werden. Kompost oder Mist sind ebenfalls geeignet, doch diese Materialien werden besser im Frühling wieder entfernt, da sie sehr häufig nur in den oberen Bodenschichten das Wurzelwachstum ankurbeln und dabei die Rose davon abgehalten wird, so tief wie möglich zu wurzeln. Auflagen von Fichtenreisig halten die Triebe dunkel und kühl – so werden sie nicht durch strahlende Wintersonne zu früh zum Austrieb angeregt.

Auch bei Strauch- und Kletterrosen sind alle Strategien, die die Triebe vor Wintersonne und Eiswinde abschirmen angesagt. Fichtenauflagen, Windschutzmatten etwa aus Reisig oder Schilfrohr leisten beispielsweise gute Dienste. Alles dies muss sorgfältig befestigt und gesichert werden. Winddruck und Schneelast können enorm an den Schutzmaßnahmen rütteln und drücken. 

Hochstämme werden vor dem Einwintern komplett entblättert – das beugt Pilzbefall vor – und bekommen grundsätzlich ein ca. 85 g schweres Vlies. Rosen in Kübel werden so schattig wie möglich aufgestellt. Ein dunkler Platz in einer frostfreien Garage oder einem solchen Schuppen ist auch gut geeignet – im Winter brauchen sie kein Licht. 

Bodenverbesserungsmaßnahmen können jetzt schon erledigt werden in Form etwa von Bodenaktivator oder Kalk, wenn der pH-Wert unter 6,5 liegt. Beide Substanzen ziehen im Laufe des Winters in die Bodentiefen ein, wo die Pflanze sie am besten gebrauchen können. Zusätzliche Düngungen sind jetzt kontraproduktiv oder gehen verloren; gedüngt wird erst wieder im Frühling beim Rückschnitt. 

Gießmaßnahmen erübrigen sich in Beeten fast immer. Die einzige Ausnahme hier bilden neue Pflanzungen die in Phasen fallen in denen keine Niederschläge fallen. Gehen Sie hier aber behutsam vor und verwandeln die Beete nicht in Sümpfe. Weder Sonne noch Pflanzen können ein Zuviel an Wasser nun dem Boden noch wirkungsvoll entziehen.

Auch wenn’s schwer fällt oder eine Kleinarbeit ist: Um die Rosen in Ruhe zu versetzen und gesund ins kommende Jahr zu bringen, empfiehlt es sich die letzten Knospen und Blüten im Dezember zu entfernen (Bilder rechts: ’Marie Curie’ am 11.12.2018 und Herbstlaub der 'Princess Anne') und alles Laub bei Hochstämmen vor dem Einpacken anzuzupfen.

Ist das alles erledigt, lassen sich entspannt neue Pläne für Rosenprojekte in 2020 schmieden und in Rosenliteratur schmökern – das eine beflügelt nun mal das andere.

Ihr 
Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken