Gartenreise nach Paris und Giverny

Eigentlich sollte die Fahrt nach Paris "der Rosen wegen" sein. So stellten wir es uns noch im Januar vor. Auch bis kurz vor dem Antritt der Busreise hatten wir noch an eine üppige Rosenblüte geglaubt, weil doch das Klima in Paris viel milder als in Ostwestfalen sein soll. Dieses Jahr ist alles anders. Und kommt die Natur in Bielefeld vier Wochen später als voriges Jahr, so kommt sie in Paris immerhin noch drei Wochen später. Gut, Wildrosenfans kamen voll auf ihre Kosten. Auch die Freunde Alter Rosen konnten hier und da schon etwas schauen und riechen. Es war allzu lange kalt gewesen, und bis Ende Mai hatte es zudem noch heftig geregnet, auch in Paris, sodass die meisten Beete in Bagatelle und L'Hay in sattem Grün aber nicht im gewünschten Rosa, Weiß oder Rot prangten. Wieso war die Reise nach Paris trotzdem ein voller Erfolg? Und wieso waren die Teilnehmer so begeistert?

Der Arbeitstitel "Nach Paris - der Rosen wegen" wurde rechtzeitig neu formuliert und lautete jetzt "Gartenreise nach Paris und Giverny". So brauchten wir keine falschen Versprechungen zu machen. Das Programm wurde erweitert mit Kultur (Musée d'Orsay), mit Sightseeing (Stadtrundfahrt und nächtliche Lichterfahrt auf der Seine) und mit etwas Lokalkolorit am Rande der Normandie (Apfelplantage mit Apfeltarte- und Cidre-Verkostung).

Jetzt aber zu den wichtigsten Gartenzielen der Reise:

Im Parc de Bagatelle, wo wie in Baden-Baden jährliche Rosenneuheitenwettbewerbe und -prämierungen stattfinden, ist die französische, streng geometrisch gehaltene Rosenanlage in eine eher englische Landschaft von weitläufigen Rasenflächen mit alten Baumgruppen eingebettet. Zusammen mit der Architektur des klassizistischen Schlösschens, der Orangerie und der chinesischen Pagode ergab sich für uns ein Bild von gepflegter Vornehmheit. Wenige Alte Rosen zeigten Knospen. In Blüte standen die frühen Gelben aus Asien: Hugonis und Foetida. Zwei Wochen später hätten wir hier ein Rosen-Blütenmeer vorgefunden. Umso größer war die Freude, als wir entdeckten, dass wegen der allgemeinen Verspätung noch die Iris und die Paeonien in voller Blüte standen: Gleich neben der Rosenanlage fanden wir den von hohen Hecken eingeschlossenen Irisgarten. Dort erlebten wir eine überwältigende Farbenpracht, die uns für die noch fehlende Rosenblüte großzügig entschädigte.

Der Jardin Albert Kahn ist viel kleiner als Bagatelle, aber voller Vielfalt. Hier gilt es, mit einem Fußmarsch die einzelnen Gärten zu entdecken: den stillen Japangarten, den geordneten Rosengarten, den englischen Cottage-Garten, den blauen und den goldenen Wald. Der reiche Bankier Albert Kahn hatte hier Anfang des 19. Jahrhunderts, kurz bevor er seine Millionen am "Schwarzen Freitag" wieder verlor, für seine Zeitgenossen und für die Nachwelt ein Gartenkunstwerk und ein Museum mit einer einmaligen Foto-Sammlung geschaffen, das nach seiner Auffassung als Philanthrop, mehr Kenntnis von und Verständnis für andere Völker und deren Kultur vermitteln sollte. Der Monet-Garten in Giverny ist den meisten Gartenfreunden bekannt und braucht hier nicht weiter beschrieben zu werden. Nur ist er eben zu jeder Jahreszeit anders, wenn auch immer voller wunderbar harmonierender Farben und Rhythmen im Blumengarten und voller Romantik und Stille im Teichgarten, trotz der zweitausend Gartentouristen, die neben uns die einzigartigen gärtnerischen Kompositionen bestaunten. Wir verschafften uns den Vorgeschmack und zugleich auch eine Interpretationshilfe für die Gemälde von Claude Monet, die wir am kommenden Tag im Musée d'Orsay sehen wollten.

Ebenfalls in der Normandie, aber von Paris aus gut erreichbar, liegen das Schloss und der Garten Miserey. Die ebenso stolze, wie fröhliche Schlossherrin, Roselyne de Roumilly, erklärte uns geduldig das eigenartige Prinzip der Gartenanlage: In Anlehnung an Dantes "Göttliche Komödie" werden in drei Gärten die Themen Hölle, Fegefeuer und Paradies behandelt. Der Besucher gelangt, nachdem er sich lange durch Stacheliges und Übelriechendes hindurch gequält hat, endlich in das Paradies. Das ist der Garten mit den angenehmen Düften und Farben. Der etwas skurrile, aber durchaus unterhaltsame Gartenrundgang endete im "Roseraie", im Rosengarten mit der längsten Rosenallee der Normandie, wie Roselyne beteuerte. Leider waren auch diese Rosen erst in Knospe. Trotzdem beeindruckten uns die beiden Reihen großer Strauchrosen zu unserer Rechten und zu unserer Linken sehr.

Den Besuch von La Roseraie du Val-de-Marne in L'Hay-les-Roses hatten wir uns für den letzten Tag aufgehoben. Es sollte der End- und der Höhepunkt der Gartenreise werden, hatte doch die Sonne inzwischen fünf Tage lang ununterbrochen geschienen. Aber auch dort blühten nur wenige Rosen. In der großen Abteilung, die den Historischen Rosen vorbehalten ist, konnten wir hier und da schon das kräftige Rosa und den betörenden Duft der frisch erblühten Gallica und Damaszener genießen. Und auch die Wildrosen an der von der Südsonne beschienenen Mauer zeigten schon Farbe. Alle Blicke gingen zu dem großen Pavillon am Ende der Anlage, der sich "Dome de la Roseraie" nennt. Dort werden im Sommer dicht blühende, zartrosa Kletterrosen an der filigranen Eisenkonstruktion des riesigen Pavillons empor ranken. Sie schaffen auf diese Weise eine schöne und großzügige Architektur, die am Tage unseres Besuches als Hintergrund für Hochzeitfotos diente und die an Sommerabenden gern als Kulisse für Konzerte und andere Auftritte genutzt wird.

Die Bielefelder Rosenfreunde machen schon seit Jahren Ein- oder Zweitagesfahrten per Bus oder PKW zu rosenspezifischen Zielen. Eine sechstägige Fahrt ins Ausland aber ist ein Novum und birgt für den "Amateur-Reiseveranstalter" gewisse Risiken. Auch müssen genügend Teilnehmer gewonnen werden, damit günstig kalkuliert werden kann. Wie gut, dass wir uns seit dem Zusammenrücken der benachbarten Freundeskreise immer wieder über unsere Vorhaben informieren. Wir lernen uns immer besser untereinander kennen und haben somit das Vertrauen, dass es gut geht und interessant wird, wenn man sich dem Nachbarkreis bei Fahrten oder Treffen anschließt. "Mitte-West" heißt die neue, seit einigen Monaten recht gut funktionierende Freundeskreis-Gruppe. Und so saßen im Bielefelder Bus nach Paris erstmalig auch Rosenfreundinnen und -freunde aus Aachen und Osnabrück-Münster. Das Eis war schon auf der Hinfahrt gebrochen, und nach den 6 Tagen voller schöner Erlebnisse können wir sagen, dass etliche nette und vielversprechende Bekanntschaften und Freundschaften über die regionalen Grenzen hinweg entstanden sind.

Ludwig Vater und Freundeskreis Bielefeld